„Penser en langues“ auf der Frankfurter Buchmesse (22.10.2023, 11.30-12.30 Uhr, Halle F.1 F81)

KI und Übersetzung: Über den Umgang mit Sprache in Zeiten von Künstlicher Intelligenz

Mit dem Erfolg von Google Translate, DeepL oder ChatGPT sind KI-basierte Übersetzungstools im Alltag angekommen. Das verändert den Umgang mit Sprache und ihre gesellschaftliche Rolle. Welchen Einfluss hat KI auf sprachliche Transformationsprozesse und wie wirkt sich das wiederum auf das Übersetzen aus? Wie verändert sich Autor*innenschaft, wenn Texte und Übersetzungen vermehrt von Maschinen erstellt werden? Welche Bedeutungen entstehen beim Einsatz von KI bei der interkulturellen Übertragung von geistes- und sozialwissenschaftlichen Begriffen? In einem hochkarätig besetzten Panel diskutieren diese Fragen Barbara Cassin, Josef van Genabith, Peggy Rolland und Bettina Sund (Moderation).

Die Veranstaltung wird im Rahmen des Projekts „Penser en langues – In Sprachen denken“ organisiert, das sich dem Übersetzen im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich widmet. Sie findet in Kooperation mit dem Verband deutschsprachiger Übersetzer*innen literarischer und wissenschaftlicher Werke (VdÜ) statt und wird gefördert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Auswärtiges Amtes (AA) sowie dem Institut franco-allemand de sciences historiques et sociales (IFRA-SHS) / Institut français Frankfurt.

Sprache der Veranstaltung: Deutsch/Französisch

Mitwirkende:

Barbara Cassin ist Philosophin, Altphilologin und emeritierte Forschungsdirektorin am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris. Sie ist Herausgeberin des Vocabulaire européen des philosophies. Dictionnaire des intraduisibles (2004) und Autorin zahlreicher Bücher,  u. a. (mit Alain Badiou), Es gibt keinen Geschlechtsverkehr. Zwei Lacanlektüren, übers. v. Judith Kasper (2012); Nostalgie. Wann sind wir wirklich zuhause?, übers. v. Christine Pries (2021). Ihr umfangreiches Werk ist in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Seit 2018 ist sie Mitglied der Académie française. Im selben Jahr erhielt sie die Goldmedaille des CNRS, die höchste wissenschaftliche Auszeichnung Frankreichs.

Josef van Genabith ist Computerlinguist und Inhaber des Lehrstuhls für Translationsorientierte Sprachtechnologie an der Universität des Saarlandes. Zudem ist er Wissenschaftlicher Direktor für Sprachtechnologie und Multilingualität (MLT) am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Sprach- und multilinguale Technologien, maschinelle Übersetzung und Sprachverstehen sowie Sprachgenerierung.

Peggy Rolland übersetzt seit 2015 für verschiedene Verlage aus dem Deutschen und Englischen. Sie studierte Germanistik und Linguistik und absolvierte eine Fortbildung zur Literaturübersetzerin an der von Olivier Mannoni geleiteten École de traduction littéraire, die sie 2019 abschloss. Sie ist Mitglied der Association des Traducteurs Littéraires de France (ATLF). 2021 wurde Peggy Rolland in den Vorstand der ATLF gewählt und ist derzeit als Sekretärin des Verbands tätig. In dieser Funktion war sie Ko-Autorin des Anfang 2023 veröffentlichten Positionspapiers „Künstliche und literarische Übersetzung: Übersetzer*innen fordern Transparenz“.

Moderation: Bettina Sund

https://www.buchmesse.de/veranstaltungen/ki-und-uebersetzung-3-ueber-den-umgang-mit-sprache-zeiten-von-kuenstlicher

Aktuelles

Interpréter des objets : la restitution des biens culturels et le rôle de la langue

25-27 septembre 2024

Pendant la période coloniale européenne, des milliers d’artefacts et d’œuvres d’art ont été acquis, appropriés ou pillés et rapportés d’Afrique en Europe. Ils appartiennent en grande partie à des collections demusées européens et nombre d’entre eux n’ont plus quitté les dépôts depuis leur arrivée il y a plus de cent ans. Dans le cadre de débats fondamentaux et de plus en plus vifs sur la restitution, le rôle de la langue et de la traduction est crucial. L’absence de ces objets a créé un vide linguistique dans de nombreuses communautés africaines et, en même temps, ils ont été assignés à une autre langue dans les catégories descriptives et les contextes de signification des musées.

Comment parler, dans un contexte interculturel, des objets liés à différents espaces de signification, histoires et mémoires, et finalement à des langues distinctes? Quelles formes de traduction sont nécessaires pour donner une voix aux objets à travers leur histoire mouvementée et violente ? Quelles pratiques de traduction et de compréhension interculturelle sont indispensables dans le cadre des efforts de restitution pour révéler les couches de signification cachées ? Comment est-il possible de tenir un discours non violent sur et avec ces objets dans différents contextes linguistiques et culturels ? Quel rôle jouent les méthodes et techniques de la traduction et de traductologie ?

Ces questions seront abordées sous différents formats, discutées par des alumni du réseau TheMuseumsLab, des traducteur.rices et des expert.e.s interdisciplinaires des deux continents. Ils mettront en lumière les espaces linguistiques historiques ainsi que les liens entre objets, langues et la présence ou absence de l’histoire.

Le programme: Programme externe – Penser en langues 2024_FR

Conférences

25 septembre – Maison Heinrich Heine
17h00-21h00

26 septembre – Forum de la FMSH/EHESS
9h00-17h15

26 septembre – Maison Heinrich Heine
19h30-21h30

27 septembre – Maison Heinrich Heine
9h00-12h30

L’événement a été soutenu par le Ministère des Affaires étrangères (AA), l’Office allemand d’échanges universitaires (DAAD) et la Fondation de l’Allemagne – Maison Heinrich Heine (MHH), en coopération avec l’École des hautes études en sciences sociales (EHESS), la Fondation Maison des Sciences de l’homme (FMSH) et TheMuseumsLab.

Aktuelles

Symposium 2022 / Rencontre 2022

Symposium 2022 // Rencontre 2022

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Ebenen des Wissens und der Erfahrung in der Translation:
Zwischen Kognition und Kultur

Deutsch-Französisches (Post-)Doktorand*innenkolloquium, 03. Februar 2022

Programm der Veranstaltung:

Klicke, um auf programm_penser-en-langues_03.-februar-2022_final.pdf zuzugreifen

Beitragende/Participant(e)s:

Isabelle Kalinowski:Traduction et transmission. Un débat entre Franz Boas et
Claude Lévi-Strauss

Felix Konstantin Plath: Die Wahrnehmung des umstrittenen deutschen Staatsrechtlers Carl Schmitt in Frankreich unter besonderer Berücksichtigung der Übersetzung einzelner dessen Schriften ins Französische

Melissa Pawelski: Begriffliche Herausforderungen bei der deutschen und englischen Übersetzung des Werkes Surveiller et punir. Naissance de la prison (1975) von Michel Foucault

Emeline Durand: Traduire la poésie en philosophe

Julia Beck: Zum Einfluss der Produktionssituation auf den Übersetzungsprozess bei derArbeit deutscher Auslandskorrespondent/-innen in Frankreich

Lavinia Heller: Überlegungen zu einem translationswissenschaftlichen Verständnis von Übersetzungsgeschichte

José Manuel Blanco: Polyglossie übersetzen

Diane Dessalles-Martin: Une contribution à l’histoire des dictionnaires bilingues

Julie Abbou / Cornelia Möser / Katy Barasc: Qu’est-ce qu’une politique de traduction ?

Jessica Schulz: Das Bedingungslose Grundeinkommen. Eine neue Semantik des Lebens?
Wie lässt sich eine Utopie in eine neue (Lebens-)Kultur übersetzen?

Claudia Hamm: Paroli, nicht nur Zunge. Was ein Übersetzermund so alles rauslässt

Christophe Lucchese: Cas de la double médiation culturelle : traduire « Lütten Klein » de Steffen Mau

Die Frage danach, wer die US-amerikanische Dichterin Amanda Gorman übersetzen sollte, hat weltweit eine neue Debatte rund um die Übersetzer*innen(tätigkeit) entfacht. Hier zeigt sich, welche zentrale Rolle dem kulturellen Aspekt (bei) der Übersetzung beigemessen wird. Bei dieser Diskussion wurde jedoch vielfach außer Acht gelassen, dass – wenngleich Kulturelles die Sprache als System und deren Gebrauch, die Kognition und die Sprecher*innen in Textproduktion und -rezeption prägt – nur in einem Zusammenwirken dieser unterschiedlichen Kompetenzen eine Übersetzung erstellt werden kann, die in der Zielsprache ihren eigenen Ausdruck findet und keine Wort-für-Wort-Ersetzung darstellt. Die Übertragung eines Ausgangstextes mit seinen kognitiven, kommunikativ-sprachlichen und kulturellen Dimensionen in einen anderen kulturellen Kontext setzt nicht nur die kenntnisreiche Erfahrung beider Kulturräume voraus, sondern gleichsam eine Distanzierung davon, eben mit den kognitiven und sprachlichen Werkzeugen des Übersetzers bzw. der Übersetzerin. Diese spezifische Kombination, die von Text zu Text und von Autor*in zu Autor*in differiert, zeigt sich in der Qualifikation der Übersetzer*innen, die unterschiedliche Arten des Wissens zur Anwendung bringen. Je nach Kontext kann dieses Wissen gewichtet, überlagert oder selektiv angewendet werden.

Im Rahmen des deutsch-französischen (Post-)Doktorand*innenkolloquiums wurden diese verschiedenen Schichten des Translationsvorgangs freigelegt. Im Fokus standen dabei die Kognition als individuelle Anlage, die Erfahrung als gruppenspezifischer Kontext und die mit einer Sprache transportierte Kultur als immanente Bestandteile des Übersetzens, die auch das Anforderungsprofil an die Übersetzenden bestimmen. In der Analyse wurden diese Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen differenzierter betrachtet, auf konkrete Elemente des Translationsprozesses bezogen und untereinander in Beziehung gesetzt. Anhand von unterschiedlichen methodischen Zugängen, praktischen Beispielen und jüngsten Forschungsergebnissen wurde aufgezeigt, welche mentalen, erfahrungsgeleiteten und kulturellen (Transfer-)Prozesse beim hochkomplexen Vorgang des Übersetzens ablaufen und wie sich diese auf der sprachlichen Ebene der Übersetzung widerspiegeln (sollten). Die sich aus dieser Interrelation ergebenen Herausforderungen für die Übersetzer*innentätigkeit galt es für das Verständnis und das Gelingen des Übersetzungsprozesses sowie die Translationslehre und -wissenschaft fruchtbar zu machen.

Das (Post-)Doktorand*innenkolloquium mit begleitenden Expert*innenvorträgen fand am 03. Februar 2022 in einer Kooperation des Frankreich-Zentrums der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, des Centre Georg Simmel – Recherches franco-allemandes en sciences sociales der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) Paris und des Deutsch-Französischen Übersetzungsprogramms der Fondation Maison des sciences de l’homme (FMSH) Paris statt. Die Veranstaltung wurde durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) gefördert. Sie fand online statt und richtete sich sowohl an französische als auch an deutsche (Post-)Doktorand*innen, deren Forschung in der Translationswissenschaft oder benachbarter Disziplinen angesiedelt ist.  

Penser en langues – In Sprachen denken ist ein seit 2015 existierendes Programm, das sich in mehreren Teilprojekten der Übersetzung im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich zwischen Frankreich und Deutschland widmet. Dieses Projekt verfolgt das Ziel, die kognitiven, kulturellen und kommunikativ-linguistisch-semiotischen Aspekte des Übersetzens sowie das epistemologische Potenzial der Übersetzung und ihren Einfluss auf die Ideen- und Begriffsgeschichte zu untersuchen.

De la connaissance et de l’expérience en traduction: entre cognition et culture

Colloque (post-)doctoral franco-allemand, 03 février 2022

Programme du colloque:

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La question de savoir qui serait légitime pour traduire la poétesse américaine Amanda Gorman a suscité à travers le monde un nouveau débat sur les traducteurs/traductrices. Cette controverse montre le rôle central attribué à l’aspect culturel (lors) de la traduction. Cependant, cette polémique a souvent ignoré le fait que – bien que les aspects culturels façonnent la langue en tant que système, son utilisation mais également la cognition et son emploi par les locuteurs/locutrices dans la production et la réception du texte – ce n’est que par l’interaction de ces différentes compétences que l’on peut produire une traduction qui trouve sa propre expression dans la langue cible et ne soit pas un mot à mot maladroit. Le transfert d’un texte source, avec ses dimensions cognitives, communicatives-linguistiques et culturelles, dans un autre contexte culturel exige non seulement une profonde expérience et connaissance des deux espaces culturels, mais aussi une distanciation par rapport à ceux-ci, précisément grâce aux outils cognitifs et linguistiques propres au traducteur ou à la traductrice. Cette combinaison spécifique, qui diffère d’un texte à l’autre et d’un auteur/d’une autrice à l’autre, se reflète dans les qualifications des traducteurs/traductrices mettant en œuvre différents types de connaissances. En fonction du contexte, ces connaissances peuvent être pondérées, superposées ou utilisées de manière sélective. 

L’objectif général de cet atelier de recherche franco-allemand (post-)doctoral a été de mettre à jour les différentes strates du processus de traduction. L’accent a été mis ici sur les trois dimensions suivantes : la cognition comme disposition individuelle, l’expérience en tant que contexte spécifique à un groupe, la culture en tant que partie intrinsèque de la langue et de la traduction. Ces trois dimensions déterminent également le profil requis par les traducteurs/traductrices. Dans le cadre de l’analyse concrète, ces connaissances, compétences et expériences ont été considérées de manière différenciée, liées à des éléments précis du processus de traduction et mises en relation les unes avec les autres. Sur la base de différentes approches méthodologiques, d’exemples pratiques et de résultats de recherche récents, il a été montré quels processus (et transferts) mentaux, empiriques et culturels sont à l´œuvre dans l’activité complexe de la traduction et comment ils se reflètent (ou devraient se refléter) au niveau linguistique dans la traduction. L’objectif était de rendre féconds les défis qui découlent de cette interrelation, autant pour la compréhension et la réussite du processus de traduction que pour la traductologie et les sciences de la traduction.

L’atelier de recherche (post-)doctoral, ponctué de conférences d’experts et d’expertes, a eu lieu le 3 février 2022 en coopération avec le Frankreich-Zentrum de l’Université de Fribourg-en-Brisgau, le Centre Georg Simmel – Recherches franco-allemandes en sciences sociales de l’École des hautes études en sciences sociales (EHESS) Paris, le programme de traduction franco-allemand de la Fondation Maison des sciences de l’homme (FMSH) Paris. Il a été soutenu par l’Office Allemand d’Échanges Universitaires (DAAD) et l’Université franco-allemande (UFA). L’événement s’est déroulé en ligne et s’adressait aux (post-)doctorants et (post-)doctorantes français/es et allemand(e)s dont les recherches portent sur la traductologie ou des disciplines connexes.

Penser en langues – In Sprachen denken est un programme qui existe depuis 2015 et qui, à travers plusieurs sous-projets, est dédié à la traduction en sciences humaines et sociales entre la France et l’Allemagne. Ce projet vise à étudier les aspects cognitifs, culturels, communicatifs, linguistiques et sémiotiques de la traduction, ainsi que son potentiel épistémologique et son influence sur l’histoire des idées et des concepts.



Organisiert von / Organisé par:

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Symposien

Symposium 2019 / Rencontre 2019

Übersetzernachlässe in globalen Archiven.

„Weltliteratur als übersetzte Literatur“: Das mag der Grundsatz einer transnationalen und globalen Perspektive auf Literatur sein, in der die Figur des Übersetzers als Nomade der Mehrsprachigkeit eine zentrale Rolle für die Literaturvermittlung spielt. Neben anderen Akteuren wie Autorinnen und Autoren, Lektorinnen und Lektoren und Verlagen sind es aus dieser Perspektive zweifellos die Übersetzerinnen und Übersetzer, die letztendlich sprachlich die Literaturen der Welt in Bewegung setzen. In dieser Rolle sind sie nicht nur zuständig für die Übertragung, sondern auch für die Herstellung eines noch nicht existierenden und lesbaren Originals, d.h. eines neuen Manuskripts zu einem Werk, das am literarischen System aktiv teilnehmen will. Anders als das „originale“ Manuskript entsteht das übersetzte Manuskript unausweichlich aus der Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehreren Sprachen und zwischen mindestens zwei mehr oder weniger stabilisierten Urfassungen, die in der Werkstatt des Übersetzers immer mitzudenken sind.

Übersetzernachlässe gelten in diesem Kontext nicht nur als Wissens- und Literaturquellen, sondern auch als Räume, in denen die Werkstatt und das Projekt des Übersetzens sichtbar werden. Ein Blick in diese Werkstatt ermöglicht nicht nur die Rekonstruktion einer intensiven Rezeptionsgeschichte, sondern auch der Diskussion von Fragen der Lesbarkeit, der Übersetzbarkeit und der Stabilität einer vermeintlichen (neuen) Urfassung, die an ihrer Quelle bereits flüchtig, vielfältig und mehrsprachig in ihrer Entstehung ist. Im Vergleich zu anderen Nachlässen zeugen Übersetzernachlässe vor allem von translingualen Konflikten zwischen Alterität und Identität und von der Unbeständigkeit eines Originals, dessen Textbestand eher aus der Diversität, der Mehrsprachigkeit und nicht aus der Stabilität oder der Einheit kommt. Geht man davon aus, dass das Übersetzen selbst eine Art konstante Produktion und Revision von Wissen ist, können Übersetzernachlässe als Quelle betrachtet werden, in der sich das neue und immer wieder infrage gestellte Wissen in einem eigenen epistemologischen Status strukturiert.

Das DLA Marbach verfügt über zahlreiche Übersetzernachlässe sowie Archivbestände, die in direktem Zusammenhang mit Übersetzung stehen. Darunter sind bedeutende Namen der deutschen Literaturgeschichte wie Bertolt Brecht, Walter Boehlich, Elisabeth Borchers, Anneliese Botond, Paul Celan, Hans Magnus Enzensberger, Erich Fried, Peter Handke, Stefan George, August Wilhelm Schlegel, Peter Szondi, Hans Stillet, Ludwig Tieck und Hans Wollschläger. Diese Bestände und Nachlässe sind Teil einer reichen Literatur- und Kulturtransfergeschichte und dokumentieren eine lange Auseinandersetzung zwischen einzelnen Literaturen sowie eine umfangreiche Reflexion über das Übersetzen selbst. Die Übersetzungstheorie und -praxis von A. W. Schlegel etwa gilt in diesem Kontext als grundlegender Baustein für die deutsche Romantik. Vergleichbar in der Moderne sind die Übersetzungen und theoretischen Ansätze von Rainer Maria Rilke, Paul Celan, Peter Urban, der Übersetzer von Velimir Chlebnikov, und letztendlich von Erika und Elmar Tophoven. Darüber hinaus stehen mit den zahlreichen Verlagsarchiven (Suhrkamp, Insel, Luchterhand, Piper, S. Fischer, Rowohlt u.a.) auch Materialien zu Übersetzungen zur Verfügung, die für die Sozial- und Geisteswissenschaften in Deutschland eine wichtige Rolle spielen; ebenso kann das Gefüge zwischen Verleger/in, Lektor/in und Übersetzer/in in den Blick genommen werden.

Grundsätzlich gilt für die Übersetzernachlässe zudem, dass sie sich durch Mehrsprachigkeit auszeichnen. So umfassen die DLA-Bestände nicht nur die handschriftlichen Materialien von Übersetzer/innen, die sich mit der Übertragung anderer indoeuropäischer Sprachen ins Deutsche beschäftigten, sondern auch Manuskripte von Übersetzer/innen, die sich dem Finnischen, Ungarischen, Chinesischen, Arabischen, Hebräischen und den indischen Sprachen widmen.

Anliegen der Marbacher Tagung ist es, Nachlässe von (v.a. literarischen) Übersetzerinnen und Übersetzern systematisch in den Blick zu nehmen und auf ihren Forschungswert zu befragen. Auf Basis einer übersetzungstheoretischen Diskussion soll dies anhand konkreter Bestandsbeispiele ausgelotet werden. Neben prominenten Beständen des DLA sollen dabei auch Nachlässe aus anderen Institutionen (z.B. Instituto Cultural Judaico Marc Chagall, Brasilien, Nachlass Herbert Caro; Ibero-Amerikanisches Institut, Berlin, Nachlass Curt Meyer-Clason) in den Blick kommen.

Zu diskutieren sein werden dabei auch die Chancen und Grenzen der computergestützten Übersetzung literarischer Texte: Wie verändert sich die Rolle des Übersetzers vor dem Hintergrund aktueller technologischer Entwicklungen und Möglichkeiten? Ist der Übersetzer für das Entstehen von Poetizität unabdingbar? Ist die Lyrikübersetzung durch die visuelle und lautmalerische Übertragung eine besondere Art der Übersetzung, eine parataktische Übersetzung, die sich als autonomer Text erweist? Hierbei gilt es auch, die Potentiale digitaler Tools für die Übersetzungsforschung auszuloten, auch mit Blick auf die Besonderheiten der Lyrikübersetzung.

Die Tagung ist als Doppeltagung angelegt. Im unmittelbaren Anschluss an die Tagung am DLA Marbach findet eine korrespondierende Tagung am IMEC (Institut Mémoires de l’édition contemporaine) in Caen statt, die den Fokus auf die Übersetzung von sozial- und geisteswissenschaftlichen Texten legen wird. Eine Präsentation von in Caen befindlichen Übersetzernachlässen wird diesen Teil der Tagung eröffnen, die in enger Zusammenarbeit mit der Forschergruppe ERLIS der Universität Caen organisiert wird. Neben der grundlegenden Reflexion auf übersetzungstheoretische Fragen werden verschiedene Einzelstudien im Zentrum dieser Tagung stehen, die an Übersetzernachlässen in unterschiedlichen Sprachen arbeiten, die im IMEC aufbewahrt werden: die Übersetzung ins brasilianische Portugiesisch, aus dem Italienischen ins Französische, dem Deutschen ins Französische oder aus dem Russischen.

Internationale Tagung

  1. bis 27. November 2019, Deutsches Literaturarchiv Marbach (DLA)
  2. November 2019, Fondation Maison des Sciences de l’Homme (FMSH), Paris
  3. bis 30. November 2019, Institut Mémoires de l’édition contemporaine (IMEC), Caen

Gefördert durch die Robert Bosch Stiftung GmbH aus Mitteln der DVA-Stiftung


 

Fonds de traducteurs dans les archives globales.

« La littérature mondiale comme littérature traduite ». Cela peut constituer le principe fondamental d’une perspective transnationale et globale sur la littérature dans laquelle la figure du traducteur – ce nomade du multilinguisme – jouerait un rôle central pour la transmission de la littérature. Avec d’autres acteurs, comme les auteures et auteurs, les directrices et directeurs littéraires ainsi que les maisons d’édition, ce sont sans aucun doute les traductrices et traducteurs qui mettent en mouvement les littératures du monde. Dans ce rôle, ils ne sont pas seulement chargés de traduire des œuvres, mais aussi de créer un original qui n’existe pas encore et n’est pas encore lisible, c’est-à-dire un nouveau manuscrit qui veut prendre une part active dans le système littéraire. Contrairement au manuscrit « original », le manuscrit traduit naît inéluctablement de la confrontation entre deux langues ou plus, et entre au moins deux versions originelles plus ou moins stabilisées qui coexistent dans l’atelier du traducteur.

Dans ce contexte, les fonds légués par les traducteurs ne servent pas seulement de sources sur le savoir et la littérature, mais aussi d’espaces dans lesquels deviennent visibles l’atelier et le projet de la traduction. Un regard dans cet atelier ne permet pas uniquement de reconstituer une intense histoire de réception, mais également de mettre en débat des questions portant sur la lisibilité, la traductibilité et la stabilité d’une (nouvelle) version supposée originelle qui, à sa source, est déjà fugace et issue d’une genèse multiple. Par rapport à d’autres fonds, ceux des traducteurs témoignent avant tout de conflits translinguistiques entre altérité et identité, et de l’inconstance d’un original dont la consistance textuelle vient plutôt de la diversité que de la stabilité ou de l’unité. Si l’on part de l’idée que la traduction elle-même est une sorte de production et de révision permanentes de savoir, les fonds de traducteurs peuvent être considérés comme une source dans laquelle ce savoir nouveau et toujours remis en cause obtient un statut épistémologique qui lui est propre.

Le DLA de Marbach dispose de nombreux fonds légués par des traducteurs, dont des noms importants de l’histoire littéraire allemande comme Bertolt Brecht, Walter Boehlich, Elisabeth Borchers, Anneliese Botond, Paul Celan, Hans Magnus Enzensberger, Erich Fried, Peter Handke, Stefan George, August Wilhelm Schlegel, Peter Szondi, Hans Stillet, Ludwig Tieck, Hans Wollschläger et Elmar Tophoven. Ceux-ci participent d’une riche histoire du transfert littéraire et culturel, et illustrent une longue confrontation entre les différentes littératures, ainsi qu’une ample réflexion sur la traduction proprement dite. La théorie et la pratique de la traduction chez A. W. Schlegel, par exemple, sont considérées dans ce contexte comme un élément fondamental du romantisme allemand. Dans la modernité, on en a le pendant avec des traductions et des approches théoriques de Rainer Maria Rilke, Paul Celan, Hans Wollschläger et, en dernier lieu, d’Erika et Elmar Tophoven, sur lesquels de nombreux documents sont conservés et accessibles à la recherche au DLA. On dispose en outre, avec les multiples archives de maisons d’édition (Suhrkamp, Insel, Luchterhand, Piper, S. Fischer, Rowohlt, etc.), de documents sur des traductions qui ont joué un grand rôle pour les sciences sociales et humaines en Allemagne ; on peut également prendre comme ligne de mire l’articulation entre éditeur, directeur d’édition et traducteur. Autre point fondamental qui s’applique aux fonds de traducteurs : ils se distinguent par la pluralité des langues. Les pièces détenues par le DLA ne sont pas seulement les documents manuscrits de traducteurs qui se chargent du transfert vers l’allemand d’autres langues indo-européennes, mais aussi de manuscrits de traducteurs travaillant sur le finnois, le hongrois, le chinois, l’arabe, l’hébreu et les langues de l’Inde. L’intention du colloque de Marbach est de porter un regard systématique sur les fonds légués par des traductrices et traducteurs (avant tout littéraires) et de s’interroger sur leur valeur pour la recherche.

On l’étudiera sur la base d’un débat portant sur la théorie de la traduction et à l’aune d’exemples concrets pris dans les archives. À côté des collections éminentes du DLA, on se penchera aussi sur les fonds d’autres institutions (par exemple l’Instituto Cultural Judaico Marc Chagall, Brésil, fonds Herbert Caro ; l’Ibero-Amerikanisches Institut, Berlin, fonds Curt Meyer-Clason). On devra aussi examiner à cette occasion les chances et les limites de la traduction assistée par ordinateur : comment évolue le rôle du traducteur dans le contexte des changements et des possibilités technologiques actuels ? Le traducteur est-il indispensable pour la naissance de la poéticité ? Là aussi, il s’agira d’explorer les potentiels des outils numériques pour la recherche sur la traduction.

Il s’agit d’un double colloque. Après la session organisée au DLA de Marbach aura lieu un colloque qui en sera le pendant à l’IMEC (Institut Mémoires de l’édition contemporaine) à Caen, qui se focalisera sur la traduction des textes en sciences sociales et humaines et des enjeux théoriques de la traduction. Une présentation de fonds de traducteurs aura lieu à cette occasion. Cette deuxième partie du colloque sera organisée dans une étroite collaboration avec des chercheurs de l’unité de recherche ERLIS de l’Université de Caen. Cette seconde partie du colloque « Fonds de traducteurs dans les archives globales » se donne pour tâche de combiner une réflexion théorique sur la traduction en sciences humaines et sociales et des études des exemples à partir des fonds de traducteurs de différentes langues européennes conservés à l’IMEC : l’un tiré de la traduction vers le portugais brésilien, un autre de l’italien vers le français, de l’allemand vers le français, de l’espagnol vers le français et un autre à partir du russe.

Internationale Tagung

  1. bis 27. November 2019, Deutsches Literaturarchiv Marbach (DLA)
  2. November 2019, Fondation Maison des Sciences de l’Homme (FMSH), Paris
  3. bis 30. November 2019, Institut Mémoires de l’édition contemporaine (IMEC), Caen

Gefördert durch die Robert Bosch Stiftung GmbH aus Mitteln der DVA-Stiftung

Symposien

Parution Mulsow „Savoirs précaires“. Traduit par Laurent Cantagrel et Loïc Windels.

Le savoir est précaire, constamment en danger, souvent marginal – voici l’intuition qui précède ce livre. Précarité matérielle, car les livres disparaissent, ils sont brûlés, ils restent manuscrits, ils se perdent en route ; précarité institutionnelle car les esprits libres se trouvent souvent en marge du milieu légitime des savants ; précarité des champs disciplinaires en raison des mouvances qui affectent la qualification d’un savoir, entre orthodoxie et hétérodoxie, entre conviction et distance, entre compilation et opinion ; précarité de la figure même du savant, entre cryptage et passion, sociabilité et marginalité.

Reposant sur une érudition étourdissante et polyglotte, ce livre construit à la manière d’un film de Robert Altman une suite d’« histoires partielles » passionnantes, proches souvent de la micro-histoire. Situé autour de 1700, tournant central pour l’histoire des sciences et des idées, Mulsow se concentre sur le milieu de la Frühaufklärung allemande tout en tissant des liens avec Venise aux xvie et xviie siècles, l’Angleterre, ou la France de Louis XIV. Ainsi, Martin Mulsow se donne les moyens de sa « nouvelle histoire des idées » en mariant plusieurs approches et en considérant aussi bien des milliers de pages de notes manuscrites que des images, des tableaux, des archives. Chemin faisant, Mulsow ne construit pas un nouveau « grand récit » de la pensée mais ouvre plutôt sur des multiples décentrements qui relativisent les grands récits de la modernité. Il en résulte un livre dont la lecture procure le sentiment rare d’avoir à penser désormais autrement.

Martin Mulsow, né en 1959, a étudié la philosophie, la littérature allemande et l’histoire à Tübingen, Berlin et Munich. Depuis 2008, il est professeur des Cultures savantes en Europe à l’époque moderne à l’université d’Erfurt et directeur du Centre de recherches en sciences humaines et sociales à Gotha. De 2005 à 2008 il a enseigné à l’université Rutgers aux États-Unis. En 2016 il a été nommé membre de l’Académie des sciences à Berlin-Brandebourg.
Ses travaux de recherches ont été recompensés de nombreux prix.

Martin Mulsow: Savoirs précaires. Pour une autre histoire des idées à l’époque moderne.

Traduit par Laurent Cantagrel, Loïc Windels.

Éditions de la Maison des sciences de l’homme, Paris
ISBN-10 2735124304
ISBN-13 9782735124305
Bibliothèque allemande