Übersetzernachlässe in globalen Archiven /

Fonds de traducteurs dans les archives globales

25.–30.11.2019

von Merisa Taranis (Universität Stuttgart)

Was heißt Übersetzen? Ist Literatur vielleicht sogar unübersetzbar? Wie wandelte sich die Rolle von Übersetzer*innen im Laufe der Jahrhunderte? Wie sollen die Forschung und die Verlage mit Übersetzernachlässen umgehen und welchen Mehrwert bieten sie? Mit diesen Fragen eröffneten SANDRA RICHTER und ANNA KINDER (Marbach) die Tagung „Übersetzernachlässe in globalen Archiven / Fonds de traducteurs dans les archives globales“, die vom Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA) gemeinsam mit dem Projekt „penser en langues – In Sprachen denken“, der Fondation Maison des sciences de l’homme (FMSH), Paris, und dem Institut Mémoires de l’Édition Contemporaine (IMEC), Caen, organisiert und von der Robert Bosch Stiftung gefördert wurde. Die Veranstaltung war als Doppeltagung konzipiert: Im DLA Marbach (25.-27.11.2019) standen v.a. literarische Übersetzungen im Mittelpunkt, in der korrespondierenden Tagung am IMEC (28.-30.11.2019) Übersetzungen theoretischer und philosophischer Werke. Beide Institutionen verfügen über umfangreiche Materialien zu Übersetzer*innen und möchten diese Bestände auch als Quellen für die Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit, Identität und Alterität, Rezeptionsgeschichte, Übersetzbarkeit und Originalität verstanden wissen. Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen der Tagung Beiträge aus Theorie und Praxis zum Umgang mit literarischen, geistes- und sozialwissenschaftlichen Übersetzungen interdisziplinär und transnational diskutiert, die Möglichkeiten und Grenzen computergestützter Übersetzungen ausgelotet und die Debatte um die Bedeutung der Vor- und Nachlässe von Übersetzer*innen angestoßen.

Eröffnet wurde die Tagung von Sandra Richter, Direktorin des DLA, und Anna Kinder, Leiterin des Forschungsreferats des DLA, die sich der historischen Entwicklung und Relevanz von Übersetzungen und der Frage nach dem Forschungswert von Übersetzernachlässen widmeten. Übersetzer*innen seien „Knoten des Kulturkontakts“ und die Beschäftigung mit ihnen zeige transkulturelle und interlinguale Hoch- und Tiefphasen, deren Erforschung in den letzten Jahren zunehmendes Interesse    erhalten habe.

Die erste Sektion widmete sich der Bedeutung von „Übersetzernachlässen als Wissenstransferquelle“. Albrecht Buschmann (Rostock) thematisierte in seinem Vortrag die Unsichtbarkeit von Übersetzer*innen in Archiven und verwies einerseits auf die Verborgenheit des Übersetzernamens in den meisten Bibliothekskatalogen und andererseits auf die metaphorische Unsichtbarkeit der Übersetzer*innen in ihrer Funktion als Vermittler*innen. Während ersteres lange Zeit systembedingt erfolgt sei – so erlaubten etwa die Preußischen Instruktionen von 1899 einfach nicht den Platz auf den Bibliothekskarten für die Namen der Übersetzer*innen –, seien es sprachlich gesehen vor allem Redewendungen und Sprichwörter („In der Übersetzung geht immer etwas verloren“), die Misstrauen und Skepsis gegenüber der Übersetzung und der Übersetzertätigkeit manifestierten. Buschmann plädierte daher, analog zum reformierten Regelwerk zur Bibliothekskatalogisierung Ressource Description and Access (RDA) von 2001, dafür, auch die Sprachgewohnheiten dahingehend zu überdenken.

Unsichtbar blieben vielfach auch die Prozesse des Übersetzens, wie Marie Luise Knott (Berlin) in ihrem Beitrag anhand des Nachlasses von Peter Urban zeigen konnte: Arbeitsweisen, Zwischenschritte und Hilfsmittel, aber auch Netzwerke zwischen den Autor*innen und Übersetzer*innen, die nicht unmittelbar im publizierten Text erkennbar sind, können jedoch wichtige Hinweise für die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen geben. Übersetzen, verstanden als „intensivste Art zu lesen“, diene den Sprachschöpfer*innen und Kulturvermittler*innen – bedingt durch zu treffenden Entscheidungen – dazu, sich mit potentiellen Irrtümern und Fragen zu beschäftigen und diese Auseinandersetzung für das eigene Schreiben fruchtbar zu machen. Es gelte daher, die Sammlungspolitik der Archive derart zu gestalten, dass den Übersetzernachlässen äquivalent zu den Autorennachlässen ein fester Platz in den Beständen eingeräumt wird.

Aus linguistischer Perspektive betrachtete Elisabeth Backes (Berlin) den Entscheidungsrahmen von Übersetzer*innen am Beispiel von Tempusformen. An den frühen Übersetzungen von Schillers Geisterseher ins Französische und Englische zeigte Backes auf, inwiefern bestimmte grammatische Zeitformen bei der literarischen Übersetzung wichtige Entwicklungen im Sprachkontakt und Sprachwandel indizieren. Anknüpfend an Anna Cardinalettis Untersuchung zur negativen Übertragung in Übersetzungen erläuterte sie, wie die Wahl des Perfekts und Präteritums bei der Übersetzung die Perspektive auf das Vergangene beeinflusst.

Venkat Mani (Madison) richtete den Blick auf die sozio-politische Bedeutung von Übersetzungen, indem er anhand der „bibliomigrancy“ die Beziehung zwischen der demokratischen Republik Indien und ihrem Lesepublikum nachzeichnete. Anhand zweier Übersetzungsinitiativen – dem Katalog zur Übersetzung empfohlener Literatur der UNESCO (1967/68) und dem jüngsten „Pact with Books“ um die Entlassung Sheldon Pollocks, Mentor der Murty Classical Library – demonstrierte Mani, dass Übersetzungen nicht allein einen kulturhistorischen, sondern vor allem einen politischen Wert haben und gesellschaftliche Spannungen, etwa zwischen Identität und Alterität, Armut und Reichtum, widerspiegeln, aber auch hervorrufen oder eben überwinden können.

Im letzten Beitrag der ersten Sektion widmeten sich Regina Toepfer und Annkathrin Koppers (Braunschweig) der historischen Übersetzungsforschung, die sie im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms „Übersetzungskulturen“ verfolgen. Mit dem Ziel, die philologische, anthropologische und gesellschaftliche Bedeutung von Übersetzungen in der Frühen Neuzeit – hier aus praxeologischen Gründen als Epoche von 1450–1800 verstanden – zu erschließen, sollen mit dem Projekt semiotische und mediale, anthropologische und wissenshistorische sowie kulturelle und gesellschaftliche Transformationen interdisziplinär erforscht werden.

Die zweite Sektion ging den „Übersetzungstheorie-Feldern“ in verschiedenen Kontinenten und Sprachen nach. So beleuchtete Anat Feinberg (Heidelberg) die Übersetzung von Schillers Wilhelm Tell ins Hebräische durch den israelischen Nationaldichter Chaim Nachman Bialik aus rezeptionsästhetischer Sicht. Ausgehend von der Irritation, dass ausgerechnet der wenig übersetzende Bialik Schiller übertragen hatte, zeigte Feinberg in ihrer Analyse, dass der hebräische Nationaldichter mithilfe von Dekontextualisierungsstrategien, intertextuellen Verweisen und einer gehobenen Sprache eine hochpoetische und zugleich eigene Übertragung verfolgte. Diese sei beim jüdischen Publikum auf ambivalente Kritik gestoßen, da die Rezeption derart literarischer Texte unüblich war und sich sein Text weniger zur Aufführung als zur Rezitation eignete.

Der Frage, wie sich chinesische Lyrik ins Deutsche übersetzen lasse, ohne dass die Ausgangssprache beherrscht wird, widmete sich Shuangzhi Li (Shanghai) exemplarisch an Bertolt Brechts Übertragungen aus zweiter Hand. Da die von Arthur Waley ins Englische übersetzten 170 Chinese Poems (1918) ein transkulturelles Potential aufweisen, nutze Brecht dieses – so Lis These –, um in einem dialogischen Translationsakt teilweise die chinesischen Auffassungen in Gehalt und Gestalt zu übernehmen, aber auch nach dem eigenen ästhetischen Empfinden und dem Bedürfnis nach künstlerischer Freiheit umzugestalten und weiterzuschreiben.

Mit Blick auf die aktuelle politische Situation in Brasilien stellte Márcio Seligmann-Silva (Campinas) die These auf, dass selbst nach der Dekolonisation im 20. Jahrhundert und der Aufarbeitung der kolonialen Denkweise durch Frantz Fanon und andere, diese dennoch heute nicht gänzlich überwunden sei. Denn aus kulturtheoretischer Perspektive könne sich das Selbst nur durch die Differenz von und der Identifizierung mit einem Anderen konstituieren – eine Prämisse, die für die Übersetzung seit der deutschen Romantik gelte, so Seligmann-Silva. Daher müsse die Übersetzung postkolonial und dekonstruktivistisch als „Methode des disordering“ verstanden und zum Politikum gemacht werden, um eben jene Hierarchien des Selbst und des Andersartigen aufzulösen. Anders als Feinberg und Li thematisierte Robert Zwarg (Marbach) die konstitutive Abweichung der Übersetzung vom Original auf dem Feld der philosophischen Übersetzung. Ausgehend von einer Probeübersetzung eines Abschnitts aus Adornos Negative Dialektik von Helmut Viebrock diskutierte Zwarg den Topos der Unübersetzbarkeit mit Blick auf Adornos Philosophie, die selbst eine spezifische Antwort auf dieses Problem gibt, und plädierte für eine Übersetzung Adornos, die im „Prozess des Anschmiegens“ entstehe, dem Original also nahekomme, aber keine Reproduktion liefere.

Disziplinär erweitert wurde die Diskussion um die Übersetzungs- und Übersetzerforschung durch Beiträge aus den Digital Humanities. Die Sektion eröffnete Uwe Muegge (Menlo Park) mit einem Vortrag zum „Terminologiemanagement bei der Übersetzung kreativer Texte“. Die von ihm vorgestellten Strategien zur Prozessoptimierung lassen sich nicht nur analog umsetzen – indem etwa die Wortrecherchen noch vor Beginn des eigentlichen Translationsakts vorgenommen und somit zu viele Moduswechsel vermieden werden –, sondern können auch digital implementiert werden. Wie Muegge zeigte, könnten bspw. Translation-Memory-Systeme in Textverarbeitungsprogrammen Vorschläge liefern, die auf gespeicherten, vorher durch den Übersetzer selbst bereits verwendeten Übersetzungen basieren und somit die Translationsarbeit erheblich effizienter gestalten.

Einen praktischen Einblick in die literarische Übersetzung mithilfe computergestützter Übersetzungsprogramme gab Holger Fock (Heidelberg) am Beispiel von Marcel Prousts À la recherche du temps perdu und Mathias Enards Boussole. Besonders bei Programmen, die mit maschineller Intelligenz und neuronalen Netzwerken arbeiten, konnte Fock eine erstaunliche Qualität der Übersetzungen feststellen. Daher empfiehlt er Übersetzer*innen, die schnell eine Rohfassung benötigen, computergestützt zu arbeiten und auf Grundlage dieses maschinellen Vorschlags weiterzuarbeiten.

Mário Gomes (Concepción) stellte in seinem Beitrag eine „kleine Poetik der maschinellen Übersetzung“ vor, indem er zwölf produktionsästhetische Gedanken formulierte. Zentral sei es, Texte als audiovisuelle Gebilde zu verstehen, die die Übersetzer*innen in ihrer Komplexität – damit sei vor allem auf die semantische Ebene verwiesen – ohne Verluste, Störungen und Rauschen zu übertragen haben. Die maschinelle Übersetzung nähere sich dank höherer Rechenleistung heute der menschlichen Translationsarbeit an, sodass das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, so Gomes, neu gedacht werde müsse.

An Albrecht Buschmanns Eröffnungsvortrag zur Unsichtbarkeit des*r Übersetzers*in in den Archiven knüpfte Andreas F. Kelletat (Mainz/Germersheim) an. Ausgehend von der Frage nach der Autorschaft im Falle von übersetzten Texten entsteht mit dem „Germersheimer Übersetzerlexikon“ eine digitale Sammelbibliografie, die Übersetzungen nicht als Teil der Ausgangs-, sondern der Zielkultur versteht. Damit würden die Übersetzer*innen ins Zentrum des Interesses gerückt, in die nationale Literaturgeschichtsschreibung einbezogen und könnten so Eingang in die Archive finden.

In der vierten Sektion wurden Übersetzungspraktiken anhand von Archiv-Fallbeispielen diskutiert. Olaf Müller (Marburg) präsentierte anhand des Nachlasses von Peter O. Chotjewitz, der seit den 1970er Jahren den italienischen Dramatiker Dario Fo auf die deutschen Bühnen brachte, das problematische Verhältnis von Original und übersetzerischer Freiheit auf – insbesondere dann, wenn mit dem Verlag vertraglich eine Nähe zum Original vereinbart wurde. Müller konstatierte, dass Chotjewitz in seiner Translationsarbeit theoretisch immer über eine rein linguistische Übersetzung der Stücke hinausgehen wollte. Er visierte dabei eine Anpassung an das deutsche Publikum und seine politischen Verhältnisse an und verfolgte derart eine szenische Übertragung, die er jedoch aus Gründen der verlagsvertraglichen Gebundenheit zum Original praktisch nur selten umsetzen konnte. Damit könne die Drastik, die die Stücke Dario Fos in Italien zum Ausdruck brachten, nicht auf den deutschen Bühnen imitiert werden und es käme zu einem „falschen Erfolg“, folgerte Müller.

Insbesondere den Aspekten formaler Übertragung widmete sich die Faust-Übersetzerin Jenny Klabin Segall, wie Helmut Galle (São Paulo) zeigte. Ihre Übersetzung ins Portugiesische sei die einzige der in dieser Sprache vorgelegten, die sich der Äquivalenz der Verszählung, der Metrik, der Rhythmik und dem Reimschema stelle. Bemerkenswert sei dies aus produktionsästhetischer Sicht, da sich das Deutsche und Portugiesische in ihrer Metrik und Prosodie grundsätzlich voneinander unterscheiden, wie Galle erklärte, und Goethes Tragödie sich durch ihre metrische Pluralität auszeichne, wodurch sich eine formale Äquivalenz in Original und Übertragung als schwierig erweist.

Lydia Schmuck (Marbach) thematisierte in ihrem Vortrag am Beispiel Anneliese Botonds zum einen die Figur des*r Übersetzers*in, der*die zugleich Lektor*in ist, und befasste sich zum anderen mit der Relevanz von Verlagsarchiven für die literaturwissenschaftliche Forschungspraxis. So könne in den Korrespondenzen Botonds mit dem Suhrkamp/Insel Verlag nicht nur der Austausch zu übersetzungspraktischen Fragen – im Besonderen zu Botonds Übersetzung von Alejo Carpentier ins Deutsche – nachgezeichnet, sondern auch lektorierende Korrekturen der Übersetzerin am Original festgestellt werden. Verlagsarchive böten damit ein Potential für die biografische Erfassung von Übersetzer*innen, die Erforschung ihrer interpretatorischen und lektorierenden Auseinandersetzung mit dem Originaltext und die Sichtbarmachung der komplexen Netzwerke, in welchen sich Autor*innen, Übersetzer*innen und Verlage befinden.

Dem Adam-Mickiewicz-Übersetzer Herrmann Buddensieg und seinem ambivalenten Verhältnis zum Nationalsozialismus sowie seiner zwiespältigen Rolle als Literaturvermittler widmete sich Renata Makarska (Mainz/Germersheim). Buddensieg distanzierte sich zwar dezidiert von der NSDAP, war jedoch Mitglied der deutschen Glaubensbewegung und veröffentlichte 1934 die Handreichung Was ist deutsch?, in welcher er völkisches Gedankengut vermittelte. Dies in Zusammenhang mit der Tatsache, dass Buddensieg kein Polnisch sprach, sich jedoch nach dem zweiten Weltkrieg vermeintlich für die polnische Literatur und Kultur interessierte, veranlasste Makarska zur Bewertung, dass Buddensieg als Übersetzer kein Literaturvermittler war, sondern vielmehr als kulturpolitischer Akteur des deutschen Staates verstanden werden muss.

Die Darstellung einer Poetik des Übersetzens verfolgend widmete sich Douglas Pompeu (Marbach) einer dokumentarischen Präsentation von Übersetzernachlässen zwischen Exil und Ost- und Westdeutschland am Beispiel der Nachlässe von Erich Arendt (Archiv der Akademie der Künste, Berlin) und Curt Meyer-Clason (Ibero-Amerikanisches Institut, Berlin). Anhand der sich in den Nachlässen befindenden Korrespondenzen, Manuskripte und Bücherausgaben verdeutlichte Pompeu die Rolle Arendts und Meyer-Clasons als Literaturvermittler zwischen Lateinamerika und Deutschland, aber auch im Literaturbetrieb zwischen Ost- und Westdeutschland.

In einer Abendveranstaltung sprach die Lektorin und Literaturagentin MICHI STRAUSFELD (Berlin/Barcelona), die von 1974-2008 für das spanisch- und portugiesischsprachige Programm bei Suhrkamp zuständig war, über ihr neues Buch Gelbe Schmetterlinge und die Herren Diktatoren: Lateinamerika erzählt seine Geschichte (2019), moderiert von JAN BÜRGER (Marbach) und LYDIA SCHMUCK (Marbach). In dem Buch lässt Strausfeld lateinamerikanische Autor*innen die Geschichte des Kontinents erzählen, um die eurozentrische Perspektive aufzubrechen und den Blick auf den Kontinent zu „entkolonialisieren“. Bei Suhrkamp hatte sie erlebt, wie der Verlag nach der Frankfurter Buchmesse 1976 – Lateinamerika war dort der erste Länderschwerpunkt überhaupt – über Nacht zentraler Ansprechpartner in Deutschland für lateinamerikanische Literatur wurde. Da es jedoch kaum Übersetzer*innen aus dem Spanischen und noch weniger aus dem Portugiesischen gab, sei der Verkauf der Bücher anfangs nur mühsam vorangeschritten. Erst die Verleihung des Literaturnobelpreises an Gabriel García Márquez habe die Verkaufszahlen schlagartig in die Höhe getrieben. Strausfeld möchte mit ihrem kulturpolitischen Buchprojekt das Interesse an Lateinamerika aufrechthalten und die aktuellen Unruhen im kulturgeschichtlichen Kontext verstanden wissen. Im Gespräch wurden Passagen aus dem Buch mit Archivmaterialien aus den Beständen des Siegfried Unseld Archivs, das sich am Deutschen Literaturarchiv Marbach befindet, kontrastiert.

Am letzten Tag der Veranstaltung in Marbach fand ein Atelier für Nachwuchswissenschaftler*innen statt. Anna Popova (Freiburg) widmete sich der vermittelnden Funktion Peter Urbans in der Rezeption Daniil Charms. Einerseits sei die Tatsache, dass Urban ausgerechnet den in Russland marginal besprochenen Schriftsteller Charms übersetzte, verwunderlich. Dies lasse sich jedoch erklären, da Urban Charms nicht direkt aus erster Hand übertrug, sondern eine tschechische Version ins Deutsche übersetzte. Andererseits verfolgte Popova das Anliegen, über die Materialien zur Übersetzung im Nachlass Peter Urbans allgemeinere Übersetzungsprinzipien und -strategien zu eruieren.

Clément Fradin (Paris) beleuchtete in seinem Beitrag die textgenetischen und verlegerischen Rahmenbedingungen der René Char-Übersetzungen und zeigte anhand der Lesespuren in Werken der Autorenbibliothek Paul Celans, dass sich Celan über den Rekurs auf andere Übersetzungen, traditionelle Dichter*innen – wie etwa Hölderlin und Hofmannsthal – Übersetzungshilfen verschaffte. Dabei postulierte er, dass die ideale Übersetzung für Celan aufgrund ihrer starken Nähe zum Original die Interlinearversion sei. Daraus, dass die Übertragungen nie mit „von Paul Celan übersetzt“, sondern „Deutsch von Paul Celan“ unterschrieben wurden, schlussfolgerte Fradin, dass Celan sie als ein „zweites Sprechen, ein Nachsprechen“ verstanden haben wollte. Diese Sekundarität lasse sich auch daran zeigen, dass Celan in kollektiven Übersetzungsprojekten versuchte, den Übersetzungen anderer immer seinen Duktus aufzuerlegen.

Dass sich ein umfangreiches Werk wie Marcel Prousts À la recherche du temps perdu nicht ohne Schwierigkeiten übersetzen und etablieren lässt, zeigte Ian Ellison (Leeds) in einer produktions- und rezeptionsästhetischen Untersuchung. Allein die Rahmenbedingungen des Projekts seien zunächst problematisch gewesen. Denn die Publikation des französischen Werks wurde durch den ersten Weltkrieg erschwert und der Umfang des Texts sowie einzelne textimmanente Aspekte hätten die Anfertigung von Übersetzungen erschwert und damit auch die Kanonisierung der Recherche im deutschen Sprachraum der 1950er Jahre durch die Übersetzung von Eva Rechel-Mertens verzögert.

Ausgehend der Frage, ob „die Struktur eines Übersetzernachlasses die ideologischen Interessen der Übersetzung widerspiegeln“ könne, exemplifizierte John Raimo (New York) anhand verschiedener literarischer Vermittlungskonzepte und Veröffentlichungsstrategien, dass die Übersetzernachlässe Peter Urbans und Josefine Spitzers zwei unterschiedliche Übersetzungsideale offenbaren. Wesentlich für dieses Ergebnis seien die Sprachkompetenz des*r Übersetzer*in sowie die kulturpolitische und ideologische Situation in der BRD und der Tschechoslowakei.

Die Sektion schloss mit einem Vortrag von Roberta Colbertaldo (Frankfurt/M.), die sich den Übersetzungen Carlo Emilio Gaddas durch Toni Kienlechner und Heinz Riedt widmete. Übersetzungsgeschichtlich sei zu beobachten, so Colbertado, dass zunächst die verschiedenen Register in Gaddas Romanen im Zentrum des Interesses standen. Dabei sei Toni Kienlechner diejenige gewesen, die sich als Übersetzerin zwar vor der Schwierigkeit der Sprache fürchtete, sich als eine Art Literaturvermittlerin jedoch der Herausforderung stellte und die Aufgabe annahm. Mit Heinz Riedts Ablehnung einer rein linguistischen Übersetzung Gaddas lasse sich – etwa am Übersetzungsprojekt Riedts und Enzensbergers Wie ich arbeite – eine Tendenz zur philosophischen Übersetzung beobachten, konstatierte Colbertaldo.

Anlässlich der Veröffentlichung des vierten und letzten Bandes der Histoire des traductions en langue française luden François Bordes (Paris/Caen) und Franziska Humphreys (Paris) am Pariser Standort des Institut Mémoires de l’édition contemporaine (IMEC) Sandra Richter (Marbach), Bernard Banoun (Paris), Gisèle Sapiro (Paris), Susan Pickford (Paris) und die Schriftstellerin Anne Weber (Paris) zu einer Diskussionsrunde ein. Richter wies in diesem Zusammenhang auf die Relevanz literarischer Übersetzungen hin und gab ein historisches Resümee verschiedener Übersetzungstheorien aus dem deutschen und französischen Sprachraum. Als Mitherausgeber der Histoire des traductions en langue française zum 20. Jahrhundert sprach Banoun über das Langzeitprojekt und die Struktur des Bandes. So sei es wichtig, die Übersetzungen ins Französische aus allen Sprachen und sämtlichen Wissenschaftsbereichen unter temporalen, lokalen und quantitativen Aspekten zu betrachten, um damit die noch recht neue Disziplin der Translatologie im Wissenschaftsdiskurs zu etablieren. Unter soziologischen Gesichtspunkten verdeutlichte Sapiro die ökonomische Bedeutung von Übersetzungen im Literaturbetrieb. Sie postulierte die Existenz dominanter Sprachen des Literaturbetriebs – etwa Englisch, Französisch und Deutsch – ebenso wie weltweit Aufmerksamkeit erregende Momente des literarischen Lebens – z.B. die Verleihung des Nobelpreises –, die das Übersetzen eines Werks aus einer bzw. in eine kleinere Sprache aus verlagsstrategischer Sicht maßgeblich beeinflussten. Rekurrierend auf die Unsichtbarkeit der Übersetzer*innen wendete sich Pickford der Entwicklung und Professionalisierung dieses Arbeitsfeldes im Laufe des 20. Jahrhunderts zu, mit der Intention, eine Disziplin der „traducteurologie“ einzuführen. Einen Einblick in die praktische Arbeit und die poetologischen Reflexionen des Selbstübersetzens – quasi eine Art ‚Sonderfall‘ des Übersetzens – gab schließlich Anne Weber, die ihre eigenen, zunächst auf Französisch verfassten Romane, später selbst in ihre Muttersprache Deutsch übersetzt.

Am IMEC in Caen eröffneten Esther von der Osten (Berlin) und Françoise Delignon (Paris) den vierten Tag mit einer Sektion zu Übersetzungen in Tonarchiven und damit zugleich den zweiten Teil der Tagung, der den Veranstaltungswechsel von Deutschland nach Frankreich bedeutete. Von der Osten problematisierte anhand eines praxeologisch-reflektierenden Übersetzungsbeispiels – Zeitzeugenberichte Shoah-Überlebender – und der „Conférence de Heidelberg“ das Verhältnis von Gesprochenem, Transkription und Translation. So ginge die Musikalität der Sprache, in der der „esprit“ des Gesprochenen stecke, beim Transkribieren und Übersetzen verloren und nur ein – mit Walter Benjamin gesprochen – ‚Echo‘ bliebe übrig. Der Vortrag stellte dar, inwiefern die Debatte zwischen Hans-Georg Gadamer, Jacques Derrida und Philippe Lacoue-Labarthe um Martin Heidegger gezeigt habe, dass das akustische Medium sich verflüchtige, sobald es seine Funktion als Botschaftsträger erfüllt habe. Von der Osten plädierte daher für eine systematische Beschreibung des akustisch Wahrnehmbaren, um Forscher*innen das Material zur Konsultation anbieten zu können.

Delignon präsentierte eine umfangreiche Audiomontage von poetologischen und poetischen Aussagen von Übersetzer*innen, Übersetzungstheoretiker*innen, aber auch Sequenzen zur maschinellen Übersetzung aus den Beständen des Institut national de l’audiovisuel (INA) und Radio France Internationale (RFI). Dabei wurden unter anderem die Professionalisierung des Übersetzerberufs, die Frage nach dem Verhältnis von Original und Übersetzung und die Problematik der philosophischen Übertragung diskutiert.

Inwiefern eine besondere Musikalität der Poesie inhärent ist, zeigte Elsa Joubert-Michel (Caen) an der Übersetzung von Novalis’ Hymnen an die Nacht durch Armel Guerne. Zentral für Guernes poetologisches Selbstverständnis als Dichter und Übersetzer seien, so Joubert-Michel, die Poesie als „expérience musicale“ sowie die Poesie und die Übersetzung gemeinsam als „expériences mystiques“. Dabei gehe es Guerne nicht darum, die Klänge und Laute des Originaltextes nachzuahmen, sondern es gelte vielmehr im Prozess des ‚Eintauchens in die Seele des Autors‘, der „re-pensée“, eine Harmonie zwischen Originaltext und Übersetzung herzustellen.

Ausgehend von Barbara Cassins Vocabulaire européen des philosophies. Dictionnaire des intraduisibles entlarvte Judith Kasper (Frankfurt/M.) die Diskrepanz zwischen Cassins theoretischen, auf Dekonstruktion und Psychoanalyse basierenden Vorüberlegungen zum Vocabulaire und der praktischen Umsetzung, die zum Frankfurter Vorhaben eines „Supplément“ zum Wörterbuch führt. Dieses soll sich dem „konkreten, punktuellen, idiosynkratischen Übersetzungsvorgang“ annehmen – wie Theresa Mayer (Frankfurt/M.) exemplarisch am Eintrag zur ‚Homonymie‘ zeigte –, weniger begriffsgeschichtlich als zwischen Philologie und Psychoanalyse verankert sein und die Möglichkeit für Kommentare, Diskussionen und Reflexionen bieten. Jonathan Schmidt-Dominé (Frankfurt/M.) diskutierte schließlich anhand von Äquivokationen der grammatikalischen Wörter ‚überhaupt‘ und ‚nichts‘ im Französischen und Deutschen, inwiefern Derridas Minimalprinzip „Alles ist unübersetzbar, alles ist übersetzbar“ auf die Arbeit am „Supplément“ zutreffe. An B. Venkat Manis Vortrag zu Übersetzungsinitiativen der UNESCO knüpfte Susanne Klengel (Berlin) an, indem sie sich dem gescheiterten, humanistischen Übersetzungsprojekt von ‚Weltklassikern‘ der UNESCO der Nachkriegsjahre widmete. Dem Projekt geht die Annahme voraus, dass (übersetzte) Literatur zur kulturellen und moralischen Rekonstruktion der Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg beitragen und den internationalen Frieden stiften könne, jedoch – trotz der Förderung von Übersetzungen aus dem arabischen und lateinamerikanischen Sprachraum – an differenten historischen Auffassungen von Literatur(betrieben) in den nördlichen und südlichen Ländern der Welt scheiterte. Neben dem Problem der Kanonisierung nationaler Klassiker im Rahmen einer Weltliteratur, sei es nach Klengel zudem spannend in Erfahrung zu bringen, welche Übersetzer*innen beteiligt waren.

Die Probleme der ersten Übersetzung Freuds ins amerikanische Englisch analysierte Andreas Mayer (Paris/Berlin) in seinem Beitrag. Aus historischer Perspektive würde die Übersetzung Abraham Brills, selbst Psychoanalytiker, aufgrund terminologischer Schwierigkeiten und Widersprüche sowie der postulierten generellen Unübersetzbarkeit Freuds kritisiert. Dabei müsse man, so Mayer, beachten, dass das Englische nicht Brills Muttersprache war. Als ertragreichen Kontext zog Mayer daher für seine Analyse die Korrespondenz zwischen Brill und Freud heran. Brill zeige sich als eine Art „traducteur ambivalent“, der die freudschen Konzepte zwar in die Zielsprache übertrage, sie allerdings zugleich immer auch umschreibe und zur Neuinterpretation freigebe.

Carla M. C. Renard (São Paulo) zeigte in ihrem Vortrag zu Andrée Chedids Roman L’Enfant multiple einige Manuskriptseiten sowie ihre eigenen Übersetzungsentwürfe von Chedids Text ins Portugiesische. Ihren Übersetzungsprozess analysierend zeigte sie auf, wie sie im steten Dialog mit dem Original Fragen nach Klang, Musikalität und Rhythmus des Übersetzten verhandelt. Deutlich wurde in ihrem Beitrag, inwiefern Renard in unterschiedlichen Kommunikationszusammenhängen die Wechselwirkung von Identität und Alterität diskutiert fand: Im Austausch der Schriftstellerin mit ihrem Werk, der Schriftstellerin mit ihr in der Doppelrolle als Übersetzerin und Wissenschaftlerin und ihrer eigenen Arbeit an der Übersetzung.

Inwiefern die Heterogenität zentral für die Übersetzungspraxis von Lorand Gaspar ist, die sich nicht nur in der Polyglossie des Übersetzers, sondern auch im kollektiven Übersetzen manifestiere, zeigte der Beitrag von Eric Leroy du Cardonnoy (Caen). Anhand des Nachlasses des Übersetzers diskutierte du Cardonnoy anhand einer textgenetischen Analyse einiger übersetzter Rilke-Übersetzungen, inwiefern die Mehrsprachigkeit und die Reflexionen beim Übersetzen sein eigenes Schreiben beeinflussten, sodass er beim Übersetzen im Begriff war, „de constituer au déla du poème un autre monde“. Schwieriger gestalte sich, so du Cardonnoy, hingegen die textgenetische Skizzierung der kollektiven Übersetzung, da es hierzu keine Manuskripte im IMEC gibt.

Den im Vordergrund der Tagung stehenden Fragen nach der Epistemologie von Übersetzernachlässen und ihrer Erforschung widmete sich Viviana Agostini-Ouafi (Caen) mit Blick auf den französisch-italienischen Austausch. Ausgehend von der Beobachtung, dass jeder Übersetzernachlass seine eigenen Charakteristika aufweise, bestimmten editionssoziologischen Bedingungen unterliege und die Übersetzer*innen unterschiedliche Grade translatologischen Bewusstseins aufwiesen, folgerte Agostini-Ouafi, dass die Anwendung einer einzigen textgenetischen Methode bei der Analyse von Nachlässen nicht ausreiche. Sie plädierte daher für eine philologische Untersuchung von Übersetzungen, die als Grundlage immer eine universale Übersetzungstheorie brauche.

Als Funktionär bei der UNESCO, Mitglied des Pen-Clubs und Übersetzer Mandelstams ins Französische erlangte Jean Blot Bekanntheit. Caroline Bérenger (Caen) schilderte die Rezeptionsgeschichte Blots in Frankreich zunächst unter dem Aspekt des „romancier cosmopolite“ unter Berücksichtigung poetologischer Aussagen, um in einem zweiten Teil Blot als „romancier pluridimensionnel“ zu diskutieren. Sie folgerte, dass Blots Charakteristikum der Multiglossie und -kulturalität ihn zu einem „passeur de littérature russe“, einem Avatar mache.

Zum Abschluss der Tagung rückte die letzte Sektion in Caen ein Plädoyer in den Vordergrund: „Pour une philologie de la traduction“. Wolfgang Hottner (Berlin) griff die von Esther von der Osten bereits erwähnte Metapher Benjamins von der Übersetzung im „Bergwald der Sprache“ auf und diskutierte diese im Verhältnis zwischen Übersetzung und Dichtung anhand von Stefan Georges Übertragung der Göttlichen Komödie. George trete in Benjamins Sinne als dichterischer Übersetzer in den Wald und damit in die „Totalität der Sprache“ ein, konstatierte Hottner und folgerte, dass sich George auf diese Art Benjamins eigentlichem Grundsatz, dass man sich als Übersetzer vom Material distanzieren müsse, widersetzte.

Caroline Sauter (Frankfurt/M.) ging in ihrem Vortrag von der Frage aus, wie sich „das Erotische in der Übersetzung entfalte“ und dekonstruierte die Verwendung erotischen Sprachmaterials bei Werner Hamacher und in Derridas Qu’est-ce qu’une traduction ‚relevante‘? Sauter zeigte, dass sie bei Letzterem dabei das Wort „als Liebesobjekt der Übersetzung“ verstanden wissen möchte, während sie das Erotische – aber auch Philologische – bei Hamacher im Liebes- und Sprachspiel manifestiert sehe. Schließlich plädierte sie für eine Philologie der Übersetzung, die Affekte nicht unberücksichtigt lässt, sondern sich ihrer Potenz bewusst ist.

Wenngleich Maurice Merleau-Ponty und Jacques Derrida prima facie wenig gemeinsam haben – der eine Phänomenologe, der andere Repräsentant der philosophischen Dekonstruktion – vereint sie doch die Beschäftigung mit Edmund Husserl und seiner Philosophie. Insbesondere als Übersetzer scheinen beide in der Forschung wenig Beachtung gefunden zu haben, weshalb sich Philipp Haensler (Zürich) der Herausforderung annahm, nach den übersetzungsgeschichtlichen Motiven des „translator-philologist“ im Archiv zu suchen und eine komparatistische Untersuchung ausgewählter Passagen zu veranlassen, um schließlich seine These – das Archiv sei der Übersetzung Derridas a priori inhärent – zu bestätigen.

Zuletzt präsentierte Solange Auber (Lyon) den Übersetzernachlass Elmar Tophovens, welchen einen hohen Grad translatologischen Bewusstseins ausweist, den der Übersetzer zu Lebzeiten schon als „transparentes Übersetzen“ bezeichnete. Es seien sowohl Übersetzungsnotizen als auch Prä- und Epitexte, Glossare und Momente des hybriden und kollaborativen Übersetzens (etwa mit seiner Frau Erika Tophoven) enthalten, die vom Einzelfall ausgehend zu einer allgemeineren Reflexion durch das Erforschen von Übersetzungen und Übersetzernachlässen beitragen können und idealiter die Bedingungen des Übersetzungsbetriebs verbessern sollen. Mit der Zentralisierung der Genese dieser Hypertexte bei der Untersuchung von Übersetzungen würde die traditionelle Philologie umgekehrt, so Aubers Überzeugung.

Die als Doppeltagung konzipierte Veranstaltung stellte und beantwortete mit den zahlreichen internationalen und interdisziplinären Vorträgen viele Fragen, legte das Augenmerk dabei auf die Übersetzer*innen, ohne die vielfältigen Übersetzungstheorien der letzten Jahrhunderte aus dem Blick zu verlieren, konnte ferner in Fallstudien Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis des Übersetzens bestimmen und den Umgang mit den Übersetzernachlässen diskutieren, widmete sich der Wissenschaftsgeschichte der Translatologie und gab Anregungen für neue Disziplinen, etwa der „traducteurologie“. Zugleich wurden die Verflechtungen der einzelnen Nationen und Sprachen deutlich, die zeigten, dass Literatur und Archive heute mehr denn je als Weltliteratur, als übersetzte Literatur und globale Archive verstanden werden müssen.

 

Programm

Deutsches Literaturarchiv Marbach

Sandra Richter, Anna Kinder: Bestandsaufnahme: Eine Theorie von Übersetzernachlässen

Sektion 1: Übersetzernachlässe als Wissenstransferquelle

Albrecht Buschmann (Rostock): Die Leerstelle im Archiv. Vom Fehlen der Übersetzer in der Kulturgeschichte

Marie-Luise Knott (Berlin): Übersetzen – ein Sonderfall des Selbstschreibens? Warum wir Übersetzernachlässe brauchen

Elisabeth Backes (Berlin): Sprachkontaktforschung und linguistische Übersetzungstheorien

Venkat Mani (Madison): Die Republik und das Lesepublikum: Übersetzungsinitiativen und der demokratische „Pact with Books“

Regina Toepfer und Annkathrin Koppers (Braunschweig): Übersetzungen als kulturelle Nachlässe. Perspektiven der Übersetzungskulturen in der Frühen Neuzeit (1450–1800)

Sektion 2: Übersetzungstheorie-Felder

Anat Feinberg (Heidelberg): Der Nationaldichter Bialik übersetzt Schillers „Wilhelm Tell“ ins Hebräische

Shuangzhi Li (Shanghai): Übersetzung chinesischer Gedichte bei Brecht und seinen Zeitgenossen

Márcio Seligmann-Silva (Campinas): Übersetzung als Methode des „disordering“

Robert Zwarg (Marbach): „How he reads in English“ – Adornos Unübersetzbarkeit

Sektion 3: Übersetzung und Digital Humanities

Uwe Muegge (Menlo Park): Terminologiemanagement bei der Übersetzung kreativer Marketingtexte

Holger Fock (Heidelberg): Übersetzungsprogramme und literarisches Übersetzen

Mário Gomes (Concepción): Der Übersetzer als Literaturmaschine

Andreas F. Kelletat (Mainz/Germersheim): Das „Germersheimer Übersetzerlexikon“: Konzeption und Perspektiven eines historisch-sammelbiographischen Forschungs- und Editionsprojekts

Sektion 4: Fallstudien

Olaf Müller (Marburg): Dario Fo deutsch. Zum übersetzerischen Werk und zum Nachlass von Peter O. Chotjewitz

Helmut Galle (São Paulo): Jenny Klabin Segall als Faust-Übersetzerin in Brasilien

Lydia Schmuck (Marbach): Übersetzung in Verlagsarchiven: Anneliese Botond – zwischen lateinamerikanischer Literatur und französischer Theorie

Renata Makarska (Mainz/Germersheim): Übersetzer und/im Archiv. Der Fall Hermann Buddensieg (1893–1976)

Douglas Pompeu (Marbach): Exil und Übersetzung zwischen Ost und West: Erich Arendt und Curt Meyer-Clason

Michi Strausfeld (Berlin/Barcelona): Lesung und Gespräch: „Gelbe Schmetterlinge und die Herren Diktatoren. Lateinamerika erzählt seine Geschichte“

Sektion 5: Atelier

Anna Popova (Freiburg): Peter Urbans Übersetzung von Daniil Charms

Clément Fradin (Paris): Paul Celans übersetzerische Arbeit. Einblicke anhand seiner Bibliothek

Ian Ellison (Leeds): Auf der Suche nach der verlorenen Übersetzung: À la Recherche von Proust auf Deutsch

John Raimo (New York): Die Übersetzung und Übersetzer der tschechischen Literatur in der frühen Bundesrepublik

Roberta Colbertaldo (Frankfurt/M.): Die Übersetzungen Carlo Emilio Gaddas durch Toni Kienlechner und Heinz Riedt

Institut Mémoires de l’édition contemporaine, Paris

Bernard Banoun (Paris), Susan Pickford (Paris), Sandra Richter (Marbach), Gisèle Sapiro (Paris) und Anne Weber (Paris): Diskussion anlässlich des Erscheinens der „Histoire des traductions en langue français“

 

Institut Mémoires de l’édition contemporaine, Caen

Sektion 1: Sonore Archive

Esther von der Osten (Berlin): Lautstärken. Übersetzung und Tonarchiv

Françoise Delignon (Paris): Les traducteurs dans les archives radio – un énchantillon sonore

Sektion 2: Für eine Geschichte der Übersetzung, ihrer Archive und Gegenstände

Judith Kasper, Theresa Mayer, Jonathan Schmidt-Dominé, (Frankfurt a. M.): Überlegungen zu einem „Supplement zum Dictionnaire des intraduisibles“

Elsa Jaubert-Michel (Caen): Armel Guerne et les Hymnes à la nuit de Novalis – traduire la musique de la langue

Susanne Klengel (Berlin): L’Unesco 1945: La traduction littéraire, moteur d’une humanité solidaire à venir

Andreas Mayer (Paris/Berlin): Transferts et traductions: pour une histoire des modèles du traduire en psychanalyse

Carla M.C. Renard (São Paulo): Brouillons de l’écriture et de la traduction de L’enfant multiple, d’Andrée Chedid: un face à face

Eric Leroy du Cardonnoy (Caen): Lorand Gaspar: traduction, multilinguisme et traduction collaborative

Viviana Agostini-Ouafi (Caen): Les traducteurs de l’italien vers le français de l’IMEC: variété des fonds, stratégies d’exploration et d’étude

Caroline Bérenger (Caen): Jean Blot, passeur de littérature russe

Sektion 3: Für eine Philologie der Übersetzung

Wolfgang Hottner (Berlin): Verirrung im Wald/Bergwald: George, Benjamin und Übersetzen als Intervention

Caroline Sauter (Frankfurt/M.): Liebend und bis ins Einzelne: Übersetzung, Philologie, Eros

Philipp Haensler (Zürich): „Sous la forme de document écrit l’objet idéal est virtuel“. Zur (Proto-)Digitalität des Archivs bei Merleau-Ponty und Derrida

Solange Arber (Paris/Lausanne): Elmar Tophoven et la traduction transparente: la constitution d’archives de traducteur


« Übersetzernachlässe in globalen Archiven /

Fonds de traducteurs dans les archives globales »

25–30/11/2019

par Merisa Taranis (Université de Stuttgart), traduit par Elisa Crabeil

 

Que signifie traduire ? Se pourrait-il que la littérature soit intraduisible ? Comment le rôle des traducteur·rice·s a-t-il changé au fil des siècles ? Comment le monde de la recherche et les maisons d’édition doivent-elles gérer les fonds de traducteurs et quelle valeur ajoutée offrent ceux-ci ? C’est avec ces questions que SANDRA RICHTER et ANNA KINDER (Marbach) ont inauguré le colloque « Übersetzernachlässe in globalen Archiven / Fonds de traducteurs dans les archives globales », organisé par les Archives littéraires allemandes (DLA) à Marbach en collaboration avec le projet « Penser en langues – In Sprachen denken », la Fondation Maison des Sciences de l’Homme (FMSH) à Paris, et l’Institut Mémoires de l’Édition Contemporaine (IMEC) à Caen, et financé par la Fondation Robert Bosch. Cet événement a été conçu comme un colloque double : au DLA Marbach (25-27 novembre 2019), la discussion a été centrée sur les traductions littéraires, et à l’IMEC (28-30 novembre 2019), ce sont les traductions d’œuvres théoriques et philosophiques qui ont été examinées. Ces institutions disposent toutes deux d’un grand nombre de documents concernant les traducteur·rice·s et souhaitent que ces fonds puissent être valorisés comme sources pour traiter de sujets tels que le multilinguisme, l’identité et l’altérité, l’histoire de la réception, la traductibilité ou encore l’originalité. Sur cette base, le colloque a été l’occasion d’accueillir de nombreuses contributions interdisciplinaires et transnationales portant sur la théorie et la pratique de la traduction littéraire et de celle des sciences humaines et sociales, d’explorer le potentiel et les limites de la traduction assistée par ordinateur et de lancer un débat sur la valeur des fonds de traducteur·rice·s. Le colloque a été inauguré par Sandra Richter, directrice du DLA, et Anna Kinder, responsable du département de recherche au DLA, qui ont ensemble retracé l’évolution et l’importance historique des traductions, avant de soulever la question de la valeur des fonds de traducteur·rice·s pour la recherche. Pour Richter et Kinder, les traducteur·rice·s sont de « nœuds de contact entre les cultures », et le niveau d’attention qui leur a été porté au fil du temps correspond aux moments forts et aux moments de déclin dans l’histoire transculturelle et interlinguistique, des domaines qui ont suscité un intérêt croissant de la part du monde de la recherche au cours des dernières années.

La première partie du colloque a été consacrée à la valeur des « fonds de traduction comme source de transfert de connaissances ». ALBRECHT BUSCHMANN (Rostock) s’est intéressé à l’invisibilité des traducteurs dans les archives et a évoqué d’une part l’absence de mention du nom de la traductrice ou du traducteur dans la plupart des catalogues de bibliothèques, et d’autre part, l’invisibilité métaphorique des traducteur·rice·s dans leur fonction de médiation. Alors que le premier a pendant longtemps été un problème systémique — par exemple, les instructions prussiennes de 1899 ne prévoyaient pas de champ spécifique sur les notices de bibliothèque pour les noms des traducteur·rice·s —, selon Buschmann, du point de vue linguistique, ce sont selon lui principalement les expressions idiomatiques et les proverbes (« Il y a toujours quelque chose qui se perd dans la traduction »), qui révèlent la méfiance et le scepticisme auxquels font face le texte traduit et le travail de traduction. Buschmann a donc plaidé pour que, de manière analogue à la réforme des règles de catalogage des bibliothèques par le code Ressource Description and Acces (RDA) en 2001, soient repensées les habitudes langagières en ce qui concerne la traduction.

Dans de nombreux cas, ce sont aussi les processus de la traduction qui restent invisibles, comme l’a montré Marie Luise Knott (Berlin) dans sa communication portant sur le fonds laissé par Peter Urban : les méthodes de travail, les étapes intermédiaires et outils, mais également les liens entre auteur·ice·s et traducteur·rice·s qu’il met à jour constituent autant de sources d’information précieuses pour l’étude des différentes langues et cultures, que l’on ne trouve pas nécessairement dans le texte publié. Le travail de traduction, conçu comme « la manière la plus intensive de lire », permet ainsi, à travers les choix qu’il implique, à ces artisan·e·s de la langue et aux médiateur·rice·s de la culture de s’emparer des erreurs et questions potentielles que soulève la traduction et d’en tirer un matériau fécond pour leur propre écriture. Pour Knott, il est donc crucial de construire une politique de constitution des archives permettant aux fonds de traducteur·rice·s d’avoir une place fixe dans les collections, comme l’ont les fonds d’auteur·ice·s.

Elisabeth Backes (Berlin) a pour sa part examiné la question des choix opérés dans la traduction d’un point de vue linguistique, en se penchant l’exemple des temps verbaux. Backes a ainsi montré dans les premières traductions en français du Visionnaire de Schiller en français et en anglais comment certains choix de temps grammatical dans la traduction littéraire constituent des indices précieux pour étudier des changements majeurs en matière de contact entre les langues comme pour l’évolution à l’intérieur d’une même langue. En s’appuyant sur l’étude par Anna Cardinaletti du transfert négatif dans les traductions, elle a ensuite expliqué comment le choix du parfait et du prétérit en traduction influence le point de vue sur le passé.

VENKAT MANI (Madison) a pour sa part consacré sa communication à l’importance sociopolitique des traductions en retraçant le développement de la relation entre la République démocratique de l’Inde et son public de lecteur·ice·s, proposant pour ce faire le concept de « bibliomigrancy ». Prenant pour exemple deux initiatives pour la promotion de la traduction, le catalogue d’ouvrages littéraires recommandés à la traduction par l’UNESCO (1967/68) et le plus récent « Pact with Books » autour du potentiel licenciement de Sheldon Pollock, mentor de la Murty Classical Library, Mani a montré que les traductions ont non seulement une valeur en matière d’histoire culturelle, mais aussi, et surtout, une valeur politique en ce qu’elles reflètent les tensions sociales, par exemple entre identité et altérité, entre pauvreté et richesse, et qu’elles peuvent même les susciter ou bien encore, les surmonter.

Pour l’ultime communication de cette première section, Regina Toepfer et Annkathrin Koppers (Braunschweig) ont évoqué le travail de recherche historique sur la traduction qu’elles mènent dans le cadre du programme « Translation Cultures » de la DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft). Dans le but d’explorer la signification philologique, anthropologique et sociale des traductions au début de la période moderne, qu’on définit ici pour des raisons praxéologiques comme l’époque s’étendant des années 1450 à 1800, ce projet réalise une exploration interdisciplinaire des transformations sémiotiques, médiatiques, anthropologiques et historiques, ainsi que culturelles et sociales pendant cette période.

La deuxième section du colloque a examiné les « champs de la théorie de la traduction » sur différents continents et dans différentes langues. ANAT FEIBERG (Heidelberg) a présenté la traduction en hébreu du Wilhelm Tell de Schiller par le poète national israélien Chaim Nachman Bialik par le prisme de l’esthétique de la réception littéraire. Partant du constat qu’il est surprenant que Bialik, qui s’est très peu consacré à la traduction, en soit arrivé à traduire Schiller, Feinberg a montré dans son analyse que le poète national hébreu avait mené un projet de traduction hautement poétique et tout à fait propre par le déploiement de stratégies de décontextualisation et d’intertextualité ainsi que par une élévation du registre de langue. Cette traduction a connu une réception ambivalente de la part du public juif, dans la mesure où il n’avait pas l’habitude de ce type de littérature et que le texte était moins adapté à la mise en scène théâtrale qu’à la récitation.

Shuangzhi Li (Shanghai) a ensuite abordé la question de savoir comment il est possible de traduire la poésie chinoise en allemand sans maîtriser la langue source en examinant les traductions de seconde main de Bertolt Brecht. Les 170 Chinese Poems (1918) traduits en anglais par Arthur Waley présentant un potentiel transculturel, Brecht s’en est servi, selon Li, pour répliquer en partie, dans un acte de traduction dialogique, les visions du monde chinoises, portées par le contenu comme par la forme, tout en les remodelant et les enrichissant selon sa propre esthétique et son besoin de liberté artistique.

MÁRCIO SELIGMANN-SILVA (Campinas) a développé la thèse selon laquelle, même après la décolonisation au XXsiècle et la déconstruction de pensée coloniale par Frantz Fanon, entre autres, celle-ci n’a pas encore été complètement dépassée, notamment si l’on considère la situation politique actuelle au Brésil. Du point de vue de la théorie de la culture, le Soi ne peut se constituer que par le jeu de la différence et de l’identification avec un Autre — une prémisse qui s’applique aussi à la traduction depuis le Romantisme allemand, selon Seligmann-Silva. La traduction doit donc être comprise à la manière déconstructiviste, comme une « méthode de disordering », du « rendre étranger », et devenir ainsi un enjeu politique. Répondant, depuis une perspective différente, aux communications de Feinberg et de Li, Robert Zwarg (Marbach) s’est intéressé à la déviation inhérente à la traduction par rapport à l’original dans le domaine de la traduction philosophique. Partant d’un essai de traduction d’un passage de la Dialectique négative d’Adorno par Helmut Viebrock, Zwarg a interrogé les topos de l’intraduisibilité par le prisme de la philosophie propre d’Adorno, qui propose justement une réponse spécifique à ce problème, et a plaidé pour une traduction de l’œuvre d’Adorno qui émergerait d’un « processus d’étreinte », s’approchant tout près de l’original sans être pour autant sa reproduction.

La discussion a ensuite été étendue à d’autres disciplines relevant de la recherche sur la traduction et sur les traducteur·rice·s grâce à plusieurs contributions provenant du domaine des humanités numériques. Cette nouvelle section du colloque a été ouverte par Uwe Muegge (Menlo Park) avec une communication portant sur « la gestion terminologique pour la traduction de textes créatifs ». Les stratégies d’optimisation des processus présentées par Muegge peuvent être mises en œuvre non seulement de manière analogique, par exemple, en effectuant les recherches de vocabulaire avant le début de l’acte de traduction proprement dit afin d’éviter les allers-retours entre différents supports, mais elles peuvent également être réalisées dans un environnement numérique. Comme l’a montré Muegge, le système de mémoires de traduction utilisé par les logiciels de traitement de texte peut fournir des suggestions basées sur des traductions enregistrées et précédemment produites par la traductrice ou le traducteur, et rendent ainsi le travail de traduction considérablement plus efficace.

HOLGER FOCK (Heidelberg) a ensuite proposé un aperçu concret de ce que peut donner la traduction littéraire assistée par ordinateur en proposant l’exemple de la Recherche de Marcel Proust et la Boussole de Mathias Énard. Fock a constaté que la qualité de ces traductions était étonnamment bonne, en particulier celles produites par les programmes qui utilisent l’intelligence artificielle et les réseaux de neurones artificiels. Il recommande donc aux traducteur·rice·s qui ont besoin de disposer rapidement d’un premier jet de s’aider de ces logiciels et de continuer ensuite leur travail sur la base de cette proposition réalisée par la machine.

MÁRIO GOMES (Concepción) a pour sa part présenté sa « petite poétique de la traduction automatique » composée de douze réflexions pour une esthétique de la traduction. Il est crucial selon Gomes de concevoir les textes comme des structures audiovisuelles qu’il s’agit pour les traducteur·rice·s de transposer dans toute leur complexité, notamment au niveau sémantique, sans pertes, sans interférences et sans bruit. Grâce à une puissance de calcul de plus en plus grande, la traduction automatique atteint une qualité de plus en plus proche de celle du travail de la traduction humaine, de sorte que, selon Gomes, il est nécessaire de repenser aujourd’hui la relation entre l’homme et la machine.

Andreas F. Kelletat (Mayence/Germersheim), enfin, a fait sien le constat, établi par Albrecht Buschmann dans sa communication inaugurale, de l’invisibilité des traducteur·rice·s dans les archives. Partant de la question de l’autorité des textes traduits, il a présenté le « Dictionnaire des traducteurs de Germersheimer », un fichier bibliographique numérique qui pense les traductions non pas comme éléments de la culture de départ, mais comme éléments de la culture cible. Ce déplacement permet selon Kelletat de placer les traducteur·rice·s sous la lumière des projecteurs en les incluant dans l’histoire littéraire nationale, ce qui peut également leur permettre d’acquérir une place dans les archives littéraires.

Pour la quatrième section du colloque, les pratiques de traduction ont été examinées à la lumière d’exemples tirés des archives. Ayant travaillé sur le fonds de Peter O. Chotjewitz, le traducteur qui a introduit le dramaturge italien Dario Fo sur les scènes allemandes dès les années 1970, Olaf Müller (Marburg) s’est penché sur la relation problématique entre texte original et liberté de la traduction — en particulier lorsque le contrat d’édition stipule que la traduction se doit d’être au plus près de l’original. Müller a pu observer que Chotjewitz a toujours cherché dans son travail de traduction à dépasser la simple translation linguistique des pièces. Son projet était d’adapter le texte au public allemand et à sa réalité politique pour ainsi réaliser une traduction scénique, projet qu’il n’a guère pu mettre en œuvre cependant en raison de la relation contractuelle qui l’obligeait vis-à-vis de l’original. De ce fait, selon Müller, le caractère subversif que possèdent les pièces de Dario Fo en Italie n’a pas pu être répliqué sur les scènes allemandes, conduisant à un « faux succès » de l’auteur en Allemagne.

Helmut Galle (São Paulo) a pour sa part examiné l’importance particulière accordée par Jenny Klabin Segall, traductrice de Faust, aux aspects formels de la traduction. Sa traduction en portugais est la seule dans cette langue à s’essayer aux équivalences en matière de versification, de rythme et de schémas de rimes. Un processus remarquable du point de vue esthétique, puisque l’allemand et le portugais sont très différents en ce qui concerne la versification et la prosodie, comme l’a expliqué Galle, et aussi dans la mesure où la tragédie de Goethe est caractérisée par sa multiplicité métrique, ce qui complique considérablement l’établissement d’équivalences formelles entre original et traduction.

LYDIA SCHMUCK (Marbach), dans son exposition de l’exemple d’Anneliese Botond, a présenté d’abord la figure de la traductrice comme éditrice, pour ensuite s’intéresser à la pertinence des archives éditoriales pour la recherche littéraire. L’examen de la correspondance entre Botond et les éditions Suhrkamp/Insel a permis non seulement de retracer les échanges portant sur des questions de traduction — en particulier pour la traduction vers l’allemand de l’œuvre d’Alejo Carpentie par Botond —, mais aussi d’observer des corrections apportées par la traductrice à l’original. Pour Schmuck, les archives éditoriales permettent de conserver une trace biographique des traducteur·rice·s, d’explorer leurs réflexions en matière d’interprétation et d’intervention sur le texte original, ainsi que de mettre au jour les réseaux complexes qui relient auteur·ice·s, traducteur·rice·s et maisons d’édition.

Renata Makarska (Mainz/Germersheim) s’est intéressée à Herrmann Buddensieg, traducteur d’Adam Mickiewicz, dans sa relation ambivalente avec le nazisme, ainsi que dans son rôle ambigu de médiateur littéraire. Si Buddensieg avait pris ses distances avec le NSDAP, il était néanmoins membre du Mouvement Religieux Allemand et avait publié en 1934 le manuel intitulé Was ist deutsch ? (« Qu’est-ce qui est allemand ? »), dans lequel il véhiculait des idées nationalistes. Constatant par ailleurs qu’alors que Buddensieg ne parlait pas le polonais, il affichait un intérêt pour la littérature et la culture polonaises après la Seconde Guerre mondiale, Makarska a avancé la thèse que dans son travail de traduction, Buddensieg n’avait pas agi en tant que médiateur littéraire, mais qu’il fallait plutôt le voir comme un acteur de la politique culturelle de l’État allemand.

Dans le but d’esquisser une poétique de la traduction, DOUGLAS POMPEU (Marbach) a ensuite proposé une présentation documentaire de différents fonds de traducteur·rice·s ayant navigué entre l’exil et l’Allemagne de l’Est et de l’Ouest, notamment les fonds d’Erich Arendt (Archives de l’Académie des Arts de Berlin) et Curt Meyer-Clason (Institut Ibéro-Américain, Berlin). À la lumière de la correspondance, des manuscrits et des livres présents dans ces fonds, Pompeu a montré le rôle de passeurs de littérature qu’ont joué Arendt et Meyer-Clason entre l’Amérique latine et l’Allemagne, mais aussi dans l’industrie du livre entre l’Allemagne de l’Est et de l’Ouest.

Le soir, l’éditrice et agente littéraire MICHI STRAUSFELD (Berlin/Barcelone), responsable des domaines hispanophone et lusophone aux éditions Suhrkamp entre 1974 et 2008, a évoqué son nouveau livre Les Papillons jaunes et ces Messieurs Dictateurs : l’Amérique Latine raconte son histoire (2019), dans une conversation avec JAN BÜRGER (Marbach) et LYDIA SCHMUCK (Marbach). Dans ce livre, Strausfeld a choisi de faire raconter aux auteurs latino-américains l’histoire de leur continent dans le but de rompre avec une perspective eurocentriste et de « décoloniser » notre vision du continent. Chez Suhrkamp, elle a pu voir la maison devenir du jour au lendemain le principal référent en Allemagne pour la littérature latino-américaine à l’issue de la Foire du livre de Frankfurt de 1976 — l’Amérique latine y avait été le premier invité d’honneur. Cependant, comme les traducteurs de l’espagnol, et du portugais encore plus, étaient rares à l’époque, la diffusion de ces livres restait initialement confidentielle. Ce n’est qu’avec le prix Nobel de littérature de Gabriel García Márquez que les ventes ont soudainement explosé. À travers le projet politique et culturel de son livre, Strausfeld souhaite renouveler l’intérêt du public pour l’Amérique latine et s’emparer de la question des troubles que connaît actuellement le champ de la culture. Au cours de la discussion, des passages du livre ont été présentés en regard de divers documents d’archives provenant des archives de Siegfried Unseld, qui sont conservées au DLA à Marbach.

Le dernier jour à Marbach s’est déroulé sous forme d’atelier pour jeunes chercheur·euse·s. Anna Popova (Freiburg) s’est intéressée à la fonction de médiateur endossée par Peter Urban pour permettre la réception de l’œuvre de Daniil Charms. Au premier abord, il peut paraître surprenant qu’Urban ait choisi de traduire un auteur aussi marginal sur la scène littéraire russe que Charms. Ceci s’explique néanmoins par le fait qu’Urban n’a pas traduit Charms de première main, mais qu’il a travaillé depuis une version tchèque. Popova a ensuite utilisé les documents présents dans le fonds de traducteur de Peter Urban pour esquisser des principes et stratégies de traduction plus générales.

Pour sa part, CLÉMENT FRADIN (Paris) a examiné le cadre matériel, en matière de génétique textuelle et de conditions éditoriales, des traductions de René Char ; en utilisant les marques de lecture qu’on trouve dans les ouvrages de la bibliothèque personnelle de Paul Celan, il a montré que celui-ci s’était appuyé sur d’autres traductions, de poètes traditionnels — comme Hölderlin et Hofmannsthal — pour traduire lui-même. Ce faisant, Fradin a avancé l’idée que pour Celan, la traduction idéale était la version interlinéaire, en raison de sa proximité avec l’original. Remarquant que ses traductions ne sont jamais signées « traduit par Paul Celan » mais « version allemande par Paul Celan », il a conclu que Celan les concevait comme un « dire une deuxième fois, un dire à nouveau ». On peut également reconnaître cette idée de nature secondaire dans le fait que dans les projets de traduction collective, Celan a toujours tenté d’imposer son propre style aux traductions des autres.

Ian Ellison (Leeds) a ensuite montré, par son analyse qui mobilise à la fois les théories esthétiques et celles de la réception, qu’une œuvre-fleuve comme la Recherche de Marcel Proust ne peut être traduite ni connaître de réception sans poser d’importantes difficultés. Ne serait-ce que les conditions d’émergence du projet littéraire étaient initialement problématiques : la publication de l’œuvre en français a en effet été compliquée par l’arrivée de la Première Guerre mondiale, et selon Ellison, le volume de texte ainsi que certains aspects spécifiques de l’œuvre ont rendu difficile la traduction, ce qui par conséquent, a retardé l’établissement de la Recherche dans le canon littéraire des pays germanophones au cours des années 1950, grâce à la traduction d’Eva Rechel-Mertens.

Cherchant à déterminer si « la structure d’un fonds de traducteur·ice· peut refléter les positions idéologiques de la traduction », John Raimo (New York) a démontré à l’aide de l’exemple de diverses conceptions de la médiation littéraire et diverses stratégies de publication que les fonds de traducteur·rice·s de Peter Urban et de Josefine Spitzer mettaient au jour deux conceptions idéales différentes de la traduction. Cette situation est notamment informée par les compétences linguistiques de la traductrice ou du traducteur ainsi que par la situation culturelle, politique et idéologique en RFA et en Tchécoslovaquie, respectivement.

Cette cinquième section a été clôturée par la communication de Roberta Colbertaldo (Frankfurt/Main), qu’elle a consacrée aux traductions de l’auteur italien Carlo Emilio Gadda par Toni Kienlechner et Heinz Riedt. Du point de vue de l’histoire des traductions, Colbertaldo a fait remarquer qu’on pouvait constater que dans un premier temps, c’étaient les différents registres de langue dans les romans de Gadda qui avaient le plus intéressé. C’était le cas pour Toni Kienlechner qui, bien que la difficulté de la langue l’avait d’abord inquiétée, avait relevé le défi en tant que traductrice, en se positionnant comme une sorte de médiatrice littéraire. De son côté, le refus par Heinz Riedt d’une traduction purement linguistique de l’œuvre de Gadda permet d’observer une tendance à la traduction philosophique, notamment pour le projet de traduction de Comment je travaille par Riedt et Enzensberger, comem l’a montré Colbertaldo.

À l’occasion de la publication du quatrième et dernier volume de l’Histoire des Traductions en Langue française, François Bordes (Paris/Caen) et Franziska Humphreys (Paris) ont invité au siège parisien de l’Institut Mémoires de l’Edition Contemporaine (IMEC) Sandra Richter (Marbach), Bernard Banoun (Paris), Gisèle Sapiro (Paris), Susan Pickford (Paris) et l’autrice Anne Weber (Paris) à participer à une table ronde. Richter a introduit la discussion en réaffirmant la valeur des traductions littéraires et en proposant un panorama historique des diverses théories de la traduction dans les pays germanophones et francophones. En tant que co-éditeur de l’Histoire des Traductions en Langue française pour le XXsiècle, Bernard Banoun a présenté ce vaste projet dans son ensemble et la structure de ce volume en particulier. Pour Banoun, il était essentiel d’examiner, en matière de temporalité et de localisation comme en termes quantitatifs, les traductions en français d’œuvres écrites dans toutes les langues et relevant d’une multitude de domaines intellectuels afin de pouvoir établir la discipline encore jeune de la traductologie dans le discours scientifique. Gisèle Sapiro a ensuite rendu compte de l’importance économique des traductions dans le monde littéraire d’un point de vue sociologique. Elle a postulé l’existence de langues dominantes de l’industrie littéraire, à savoir l’anglais, le français et l’allemand, ainsi que de moments de la vie littéraire concentrant l’attention du public dans le monde entier, notamment l’attribution du prix Nobel, qui sont décisifs, du point de vue de la stratégie de publication, pour la traduction d’une œuvre de ou vers une langue plus rare. Revenant sur la question de l’invisibilité des traducteur·rice·s, Pickford a ensuite évoqué le développement et la professionnalisation de ce domaine de travail au cours du XXsiècle, dans le but d’introduire une nouvelle discipline, la « traducteurologie ». Enfin, Anne Weber a donné un aperçu du travail concret et des réflexions poétologiques propres à l’autotraduction, une sorte de « cas particulier » de la traduction : en effet, Weber a traduit ses propres romans, qu’elle a d’abord écrits en français, vers sa langue maternelle, l’allemand.

À l’IMEC, à Caen, ESTHER VON DER OSTEN (Berlin) et FRANÇOISE DELIGNON (Paris) ont inauguré le quatrième jour du colloque avec une nouvelle section consacrée aux traductions dans les archives sonores. Von der Osten a problématisé la relation entre parole, transcription et traduction à la lumière de deux exemples praxéologiques et réflexifs de traduction : des témoignages de survivants à la Shoah, ainsi que de la « Conférence de Heidelberg ». Elle en a conclu que la musicalité de la langue, qui contient l’« esprit » de parole prononcée, se perdait au cours des actes de transcription et de traduction pour ne laisser qu’un « écho », pour citer Walter Benjamin. Elle a ensuite montré comment le débat entre Hans-Georg Gadamer, Jacques Derrida et Philippe Lacoue-Labarthe au sujet de Martin Heidegger à Heidelberg avait permis de constater que le médium acoustique se volatilisait aussitôt qu’il avait rempli sa fonction de porteur de messages. De ce fait, Von der Osten a plaidé pour une description systématique de ce qui est perceptible à l’oreille pendant un discours afin de le conserver sous la forme d’un matériau consultable ensuite par les chercheur·euse·s.

Delignon a pour sa part présenté un riche montage audio de multiples déclarations poétologiques et poétiques de traducteur·rice·s et théoricien·ne·s de la traduction, mais aussi de séquences de traduction automatique provenant des collections de l’INA et de RFI. Entre autres choses, il s’est agi de la professionnalisation du métier de traducteur, de la relation entre original et traduction et des problèmes de la traduction philosophique.

Puis ELSA JOUBERT-MICHEL (Caen) s’est intéressée à la musicalité particulière inhérente à la poésie en présentant l’exemple de la traduction par Armel Guerne des Hymnes à la Nuit de Novalis. Guerne mettait au cœur de sa poétique, en tant que traducteur comme en tant qu’auteur, une compréhension de la poésie comme « expérience musicale », et de la poésie et de la traduction ensemble comme des « expériences mystiques ». Il ne s’agissait pas pour Guerne pas d’imiter les sonorités du texte original, mais plutôt de créer une harmonie entre le texte original et la traduction grâce au processus d’« immersion dans l’âme de l’auteur », de « repensée ».

Évoquant le Vocabulaire européen des philosophies. Dictionnaire des intraduisibles de Barbara Cassin, JUDITH KASPER (Frankfurt/M.) a montré l’écart qui existe entre les réflexions théoriques nourries des approches déconstructivistes et psychanalytiques sur lesquelles Cassin base son travail dans le Vocabulaire d’une part, et d’autre part sa mise en œuvre pratique ; constat qui a mené l’équipe de Frankfurt à former le projet d’un « Supplément » au dictionnaire. Celui-ci serait consacré au « processus concret, sélectif et idiosyncrasique de la traduction » et, comme l’a illustré THERESA MAYER (Frankfurt/M.) par l’exemple de la rubrique « Homonymie », moins porté sur l’histoire des concepts et plus ancré dans la philologie et la psychanalyse, ouvrant ainsi un espace pour le commentaire, la discussion et la réflexion. JONATHAN SCHMIDT-DOMINÉ (Frankfurt/M.) a ensuite examiné l’équivoque des termes « überhaupt » et « nichts/rien » en français et en allemand afin d’interroger en quoi le principe d’économie de Derrida : « Tout est intraduisible, tout est traduisible » s’applique au travail que représente le Supplément. Susanne Klengel (Berlin) a fait écho à la communication de B. Venkat Mani sur les campagnes de soutien à la traduction de l’UNESCO en évoquant le projet malheureux de traduction humaniste des « Classiques du monde » mené pendant l’après-guerre par cette même UNESCO. Le projet reposait sur l’idée que la littérature (traduite) pouvait contribuer à la reconstruction culturelle et morale des nations après la Seconde Guerre mondiale et à bâtir la paix internationale ; néanmoins, bien qu’ayant permis la promotion des traductions en provenance des pays arabophones et latino-américains, le projet a échoué face à la disparité historique des conceptions de la littérature et de l’industrie du livre entre les pays du Nord et ceux du Sud. En plus de la problématique de la canonisation des classiques nationaux dans le contexte de la littérature mondiale que le projet a ainsi soulevée, pour Klengel, il est également intéressant d’observer qui étaient les traducteur·rice·s impliqué·e·s.

ANDREAS MAYER (Paris/Berlin) s’est pour sa part proposé d’analyser les problèmes que pose la première traduction de Freud en anglais américain. D’un point de vue historique, on pourrait critiquer cette traduction d’Abraham Brill, qui était lui-même psychanalyste, sur la base de difficultés et de contradictions terminologiques ainsi qu’en évoquant de façon générale l’intraductibilité de Freud. Mayer a cependant fait remarquer que l’anglais n’était pas la langue maternelle de Brill. Il a ensuite basé son analyse sur la correspondance entre Brill et Freud. Il en émerge la figure d’un « traducteur ambivalent » qui, tout en transférant les concepts freudiens dans la langue cible, les réécrit toujours dans le même temps et ouvre ainsi la voie à une possible réinterprétation.

Lors de sa communication portant sur l’Enfant multiple d’Andrée Chedid, Carla M. C. Renard (São Paulo) a présenté quelques pages du manuscrit en regard de ses propres essais de traduction en portugais du texte de Chedid. En analysant son processus de traduction, elle a pu montrer comment elle négocie, dans un dialogue constant avec l’original, les questions de sonorités, de musicalité et de rythme du texte traduit. Renard a ainsi mis en lumière comment, dans différents contextes de communication, elle a pu constater une mise en question de l’interaction entre identité et altérité : dans le dialogue entre l’autrice et son travail, dans celui de l’autrice avec elle qui joue le double rôle de traductrice et de chercheuse, et à l’intérieur de son propre travail de traduction.

La communication d’Eric Leroy du Cardonnoy (Caen) a posé la question de l’hétérogénéité en tant qu’élément central de la pratique de traduction de Lorand Gaspar, hétérogénéité qui se manifeste non seulement dans la polyglossie du traducteur, mais aussi dans le projet de traduction collective. En se basant sur le fonds de traducteur de Gaspar, du Cardonnoy a mené une analyse génétique de certaines de ses traductions de Rilke afin d’examiner en quoi son multilinguisme et les réflexions menées au cours du processus de traduction ont influencé l’écriture propre de Gaspar, de sorte qu’il en arrivait par la traduction à « constituer au-delà du poème un autre monde ». Cardonnoy a ensuite exposé le fait qu’il est plus difficile de retracer la génétique de la traduction collective, puisque les manuscrits de ces textes ne sont pas conservés à l’IMEC.

Viviana Agostini-Ouafi (Caen) s’est ensuite saisie des questions, qui étaient au cœur de ce colloque, de l’épistémologie des fonds de traduction et de leur exploration en se penchant particulièrement sur les échanges franco-italiens. Partant du constat que chaque fonds de traducteur·ice· présentait des caractéristiques propres, qu’il était assujetti à un certain nombre de contraintes relevant de la sociologie de l’édition, et qu’enfin chaque traducteur·ice· faisait preuve d’une conscience traductologique de degré différent, Agostini-Ouafi a établi que le recours à une méthodologie génétique unique n’était pas satisfaisant pour analyser ces fonds. Elle a donc plaidé pour une exploration philologique des traductions, qui nécessite toujours comme base l’établissement d’une théorie universelle de la traduction.

On connaît Jean Blot sous différentes casquettes : comme fonctionnaire de l’UNESCO, comme membre du Pen Club et comme traducteur de Mandelstam vers le français. Caroline Bérenger (Caen) a d’abord retracé, au regard de ses déclarations poétologiques, l’histoire de la réception de Blot en France comme « romancier cosmopolite », afin d’examiner dans une deuxième partie la figure de Blot comme « romancier pluridimensionnel ». Elle en a conclu que la polyglossie et de la multiculturalité de Blot faisaient de lui un avatar du « passeur de littérature russe ».

Pour la conclusion de ce colloque, sa dernière section a mis à l’honneur un plaidoyer : « Pour une philologie de la traduction ». WOLFGANG HOTTNER (Berlin) s’est pour ce faire saisi de la métaphore proposée par Walter Benjamin, celle de la traduction dans la « forêt alpestre du langage », mentionnée déjà par Esther von der Osten, et a examiné comment celle-ci s’applique à la relation entre traduction et poésie dans le cas de la traduction par Stefan George de la Divine Comédie. Hottner a formulé le constat que George entrait dans la forêt, et donc dans la « totalité du langage » telle qu’elle est pensée par Benjamin, en tant que traducteur de poésie, et en a conclu que ce faisant, George contredisait le principe de Benjamin selon lequel en tant que traducteur, il était nécessaire de se distancier de son matériau.

Pour sa part, CAROLINE SAUTER (Frankfurt/M.) s’est demandé comment « l’érotisme se déroule dans la traduction » pour déconstruire dans sa communication l’utilisation du matériau linguistique érotique chez Werner Hamacher et dans Qu’est-ce qu’une traduction « relevante ? » de Derrida. Chez ce dernier, le mot doit être compris « en tant qu’objet d’amour de la traduction », tandis que selon Sauter l’érotisme, tout comme la philologie, se manifeste chez Hamacher dans le jeu de l’amour et du langage. Elle a ensuite plaidé pour une philologie de la traduction qui n’ignorerait pas les affects, mais au contraire prendrait la mesure de leur signification.

Bien que Maurice Merleau-Ponty et Jacques Derrida semblent de prime abord avoir peu de choses en commun, l’un phénoménologue, l’autre figure de proue de la déconstruction philosophique, ils partagent néanmoins un intérêt commun pour Edmund Husserl et sa philosophie. Leur travail de traduction à tous deux semble avoir peu intéressé la recherche jusqu’à présent, ce pourquoi Philipp Haensler (Zurich) a relevé le défi de retracer l’histoire du motif du « translator-philologist » à partir d’une recherche d’archives et de mener une étude comparative de passages choisis qui ont permis d’étayer sa thèse : l’archive est inhérente a priori à la traduction de Derrida.

Pour conclure, SOLANGE ARBER (Paris/Lausanne) a présenté le fonds de traducteur d’Elmar Tophoven, qui manifeste la conscience traductologique aigüe de celui-ci, qu’il avait baptisée déjà de son vivant « traduction transparente ». Le fonds contient une multitude de notes de traduction ainsi que divers éléments de paratexte, des glossaires et des états de traduction hybride et collaborative (notamment avec son épouse Erika Tophoven), qui constituent des apports précieux à la réflexion et à la recherche sur les traductions et les fonds de traducteur·rice·s, et, idéalement, peuvent constituer des pistes pour l’amélioration des conditions matérielles de la production des traductions. Selon Arber, donner à la genèse de ces hypertextes une place centrale lors de l’étude des traductions permet d’accomplir une inversion fructueuse de la philologie traditionnelle.

Le colloque double a ainsi permis de poser et de répondre à de nombreuses questions grâce à des communications internationales et transdisciplinaires, ainsi que de mettre les traducteur·rice·s au centre de la réflexion sans perdre de vue pour autant les diverses théories de la traduction élaborées au cours des siècles passés ; il a également été en mesure, grâce à diverses études de cas, de déterminer les écarts entre théorie et pratique de la traduction, et d’interroger la manière dont sont traités les fonds et donations de traducteur·rice·s ; enfin, il a été l’occasion d’examiner l’histoire de la traductologie et de proposer des pistes pour l’émergence de nouvelles disciplines, telles que la « traducteurologie ». Par ailleurs, il a permis de mettre en évidence les liens d’interdépendance entre les différentes nations et langues, qui montrent qu’aujourd’hui plus que jamais, la littérature doit être conçue à la fois comme une Weltliteratur ou littérature universelle et comme une littérature traduite, et les archives, comme des archives globales.

 

 

Programme

 

Archives littéraires allemandes à Marbach

Sandra Richter, Anna Kinder (Marbach) : Inventaire : une théorie des fonds de traducteur·ice·s

Section 1 : Les fonds pour traducteur·rice·s comme source de transferts de connaissances

Albrecht Buschmann (Rostock) : L’espace vide dans les archives. De l’absence des traducteurs dans l’histoire culturelle

Marie Luise Knott (Berlin) : La traduction : un cas particulier de l’écriture ? Pourquoi nous avons besoin des fonds de traducteurs

Elisabeth Backes (Berlin) : État de la recherche sur les contacts linguistiques et les théories linguistiques de la traduction

Venkat Mani (Madison) : La République et le public lisant : les initiatives pour la promotion de la traduction et le « Pact with Books » démocratique

Regina Toepfer et Annkathrin Koppers (Braunschweig) : Les traductions en tant que legs culturels. Aperçus des cultures de traduction au début de la période moderne (1450-1800)

Section 2 : Champs de la théorie de la traduction

Anat Feinberg (Heidelberg) : Le poète national Bialik traduit le Wilhelm Tell de Schiller en hébreu

Shuangzhi Li (Shanghai) : La traduction de poèmes chinois chez Brecht et ses contemporains

Márcio Seligmann-Silva (Campinas) : La traduction comme méthode de « disordering »

Robert Zwarg (Marbach) : « How he reads in English » — l’intraductibilité d’Adorno

Section 3 : Traduction et Humanités numériques

Uwe Muegge (Menlo Park) : La gestion terminologique pour la traduction de textes de marketing créatifs

Holger Fock (Heidelberg) : Logiciels d’aide à la traduction et traduction littéraire

Mário Gomes (Concepción) : Le traducteur comme machine littéraire

Andreas F. Kelletat (Mayence/Germersheim) : Le « Dictionnaire des traducteurs de Germersheim » : conception et perspectives d’un projet de recherche et d’édition historique et biographique

Section 4 : Études de cas

Olaf Müller (Marburg) : Dario Fo allemand. Sur le travail de traduction et le fonds de traducteur de Peter O. Chotjewitz

Helmut Galle (São Paulo) : Jenny Klabin Segall, traductrice du Faust au Brésil

Lydia Schmuck (Marbach) : La traduction dans les archives éditoriales : Anneliese Botond — entre littérature latino-américaine et théorie française

Renata Makarska (Mainz/Germersheim) : Les traducteur·rice·s et/dans les archives. Le cas Hermann Buddensieg (1893-1976)

Douglas Pompeu (Marbach) : Exil et traduction entre l’Est et l’Ouest : Erich Arendt et Curt Meyer-Clason

Michi Strausfeld (Berlin/Barcelone) : Lecture et discussion : Les Papillons jaunes et ces Messieurs Dictateurs : L’Amérique latine raconte son histoire

Section 5 : Atelier

Anna Popova (Freiburg) : La traduction de Daniil Charms par Peter Urban

Clément Fradin (Paris) : Le travail de traduction de Paul Celan. Aperçus au fil de sa bibliothèque.

Ian Ellison (Leeds) : À la recherche de la traduction perdue : la Recherche de Proust en allemand

John Raimo (New York) : La traduction et les traducteur·rice·s de la littérature tchèque dans les premiers temps de la RFA

Roberta Colbertaldo (Frankfurt/M.) : Les traductions de Carlo Emilio Gadda par Toni Kienlechner et Heinz Riedt

Institut Mémoires de l’édition contemporaine, Paris 

Bernard Banoun (Paris), Susan Pickford (Paris), Sandra Richter (Marbach), Gisèle Sapiro (Paris) et Anne Weber (Paris) : Discussion à l’occasion de la publication de l’Histoire des traductions en langue française, tome IV

 

Institut Mémoires de l’édition contemporaine, Caen 

Section 1 : Archives sonores

Esther von der Osten (Berlin) : Volumes. Traduction et archives sonores

Françoise Delignon (Paris) : Les traducteurs dans les archives radio – un échantillon sonore 

Section 2 : Pour une histoire de la traduction, de ses archives et de ses objets

Judith Kasper, Theresa Mayer, Jonathan Schmidt-Dominé, (Frankfurt/M.) : Réflexions pour un « Supplément au Dictionnaire des intraduisibles »

Elsa Jaubert-Michel (Caen) : Armel Guerne et les Hymnes à la Nuit de Novalis — traduire la musique de la langue

Susanne Klengel (Berlin) : L’Unesco 1945 : La traduction littéraire, moteur d’une humanité solidaire à venir

Andreas Mayer (Paris/Berlin) : Transferts et traductions : pour une histoire des modèles du traduire en psychanalyse

Carla M. C. Renard (São Paulo) : Brouillons de l’écriture et de la traduction de L’Enfant multiple, d’Andrée Chedid : un face-à-face

Eric Leroy du Cardonnoy (Caen) : Lorand Gaspar : traduction, multilinguisme et traduction collaborative

Viviana Agostini-Ouafi (Caen) : Les traducteurs de l’italien vers le français à l’IMEC : variété des fonds, stratégies d’exploration et d’étude

Caroline Bérenger (Caen) : Jean Blot, passeur de littérature russe

Section 3 : Pour une philologie de la traduction

Wolfgang Hottner (Berlin) : Se perdre dans le bois/la forêt alpestre : George, Benjamin et la traduction comme intervention

Caroline Sauter (Frankfurt/M.) : En aimant et dans les moindres détails : traduction, philologie, Eros

Philipp Haensler (Zürich) : « Sous la forme de document écrit l’objet idéal est virtuel » : Sur la nature (proto)numérique des archives de Merleau-Ponty et de Derrida

Solange Arber (Paris/Lausanne) : Elmar Tophoven et la traduction transparente : la constitution d’archives de traducteur