Symposium 2019 / Rencontre 2019

Übersetzernachlässe in globalen Archiven.

„Weltliteratur als übersetzte Literatur“: Das mag der Grundsatz einer transnationalen und globalen Perspektive auf Literatur sein, in der die Figur des Übersetzers als Nomade der Mehrsprachigkeit eine zentrale Rolle für die Literaturvermittlung spielt. Neben anderen Akteuren wie Autorinnen und Autoren, Lektorinnen und Lektoren und Verlagen sind es aus dieser Perspektive zweifellos die Übersetzerinnen und Übersetzer, die letztendlich sprachlich die Literaturen der Welt in Bewegung setzen. In dieser Rolle sind sie nicht nur zuständig für die Übertragung, sondern auch für die Herstellung eines noch nicht existierenden und lesbaren Originals, d.h. eines neuen Manuskripts zu einem Werk, das am literarischen System aktiv teilnehmen will. Anders als das „originale“ Manuskript entsteht das übersetzte Manuskript unausweichlich aus der Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehreren Sprachen und zwischen mindestens zwei mehr oder weniger stabilisierten Urfassungen, die in der Werkstatt des Übersetzers immer mitzudenken sind.

Übersetzernachlässe gelten in diesem Kontext nicht nur als Wissens- und Literaturquellen, sondern auch als Räume, in denen die Werkstatt und das Projekt des Übersetzens sichtbar werden. Ein Blick in diese Werkstatt ermöglicht nicht nur die Rekonstruktion einer intensiven Rezeptionsgeschichte, sondern auch der Diskussion von Fragen der Lesbarkeit, der Übersetzbarkeit und der Stabilität einer vermeintlichen (neuen) Urfassung, die an ihrer Quelle bereits flüchtig, vielfältig und mehrsprachig in ihrer Entstehung ist. Im Vergleich zu anderen Nachlässen zeugen Übersetzernachlässe vor allem von translingualen Konflikten zwischen Alterität und Identität und von der Unbeständigkeit eines Originals, dessen Textbestand eher aus der Diversität, der Mehrsprachigkeit und nicht aus der Stabilität oder der Einheit kommt. Geht man davon aus, dass das Übersetzen selbst eine Art konstante Produktion und Revision von Wissen ist, können Übersetzernachlässe als Quelle betrachtet werden, in der sich das neue und immer wieder infrage gestellte Wissen in einem eigenen epistemologischen Status strukturiert.

Das DLA Marbach verfügt über zahlreiche Übersetzernachlässe sowie Archivbestände, die in direktem Zusammenhang mit Übersetzung stehen. Darunter sind bedeutende Namen der deutschen Literaturgeschichte wie Bertolt Brecht, Walter Boehlich, Elisabeth Borchers, Anneliese Botond, Paul Celan, Hans Magnus Enzensberger, Erich Fried, Peter Handke, Stefan George, August Wilhelm Schlegel, Peter Szondi, Hans Stillet, Ludwig Tieck und Hans Wollschläger. Diese Bestände und Nachlässe sind Teil einer reichen Literatur- und Kulturtransfergeschichte und dokumentieren eine lange Auseinandersetzung zwischen einzelnen Literaturen sowie eine umfangreiche Reflexion über das Übersetzen selbst. Die Übersetzungstheorie und -praxis von A. W. Schlegel etwa gilt in diesem Kontext als grundlegender Baustein für die deutsche Romantik. Vergleichbar in der Moderne sind die Übersetzungen und theoretischen Ansätze von Rainer Maria Rilke, Paul Celan, Peter Urban, der Übersetzer von Velimir Chlebnikov, und letztendlich von Erika und Elmar Tophoven. Darüber hinaus stehen mit den zahlreichen Verlagsarchiven (Suhrkamp, Insel, Luchterhand, Piper, S. Fischer, Rowohlt u.a.) auch Materialien zu Übersetzungen zur Verfügung, die für die Sozial- und Geisteswissenschaften in Deutschland eine wichtige Rolle spielen; ebenso kann das Gefüge zwischen Verleger/in, Lektor/in und Übersetzer/in in den Blick genommen werden.

Grundsätzlich gilt für die Übersetzernachlässe zudem, dass sie sich durch Mehrsprachigkeit auszeichnen. So umfassen die DLA-Bestände nicht nur die handschriftlichen Materialien von Übersetzer/innen, die sich mit der Übertragung anderer indoeuropäischer Sprachen ins Deutsche beschäftigten, sondern auch Manuskripte von Übersetzer/innen, die sich dem Finnischen, Ungarischen, Chinesischen, Arabischen, Hebräischen und den indischen Sprachen widmen.

Anliegen der Marbacher Tagung ist es, Nachlässe von (v.a. literarischen) Übersetzerinnen und Übersetzern systematisch in den Blick zu nehmen und auf ihren Forschungswert zu befragen. Auf Basis einer übersetzungstheoretischen Diskussion soll dies anhand konkreter Bestandsbeispiele ausgelotet werden. Neben prominenten Beständen des DLA sollen dabei auch Nachlässe aus anderen Institutionen (z.B. Instituto Cultural Judaico Marc Chagall, Brasilien, Nachlass Herbert Caro; Ibero-Amerikanisches Institut, Berlin, Nachlass Curt Meyer-Clason) in den Blick kommen.

Zu diskutieren sein werden dabei auch die Chancen und Grenzen der computergestützten Übersetzung literarischer Texte: Wie verändert sich die Rolle des Übersetzers vor dem Hintergrund aktueller technologischer Entwicklungen und Möglichkeiten? Ist der Übersetzer für das Entstehen von Poetizität unabdingbar? Ist die Lyrikübersetzung durch die visuelle und lautmalerische Übertragung eine besondere Art der Übersetzung, eine parataktische Übersetzung, die sich als autonomer Text erweist? Hierbei gilt es auch, die Potentiale digitaler Tools für die Übersetzungsforschung auszuloten, auch mit Blick auf die Besonderheiten der Lyrikübersetzung.

Die Tagung ist als Doppeltagung angelegt. Im unmittelbaren Anschluss an die Tagung am DLA Marbach findet eine korrespondierende Tagung am IMEC (Institut Mémoires de l’édition contemporaine) in Caen statt, die den Fokus auf die Übersetzung von sozial- und geisteswissenschaftlichen Texten legen wird. Eine Präsentation von in Caen befindlichen Übersetzernachlässen wird diesen Teil der Tagung eröffnen, die in enger Zusammenarbeit mit der Forschergruppe ERLIS der Universität Caen organisiert wird. Neben der grundlegenden Reflexion auf übersetzungstheoretische Fragen werden verschiedene Einzelstudien im Zentrum dieser Tagung stehen, die an Übersetzernachlässen in unterschiedlichen Sprachen arbeiten, die im IMEC aufbewahrt werden: die Übersetzung ins brasilianische Portugiesisch, aus dem Italienischen ins Französische, dem Deutschen ins Französische oder aus dem Russischen.

Internationale Tagung

  1. bis 27. November 2019, Deutsches Literaturarchiv Marbach (DLA)
  2. November 2019, Fondation Maison des Sciences de l’Homme (FMSH), Paris
  3. bis 30. November 2019, Institut Mémoires de l’édition contemporaine (IMEC), Caen

Gefördert durch die Robert Bosch Stiftung GmbH aus Mitteln der DVA-Stiftung


 

Fonds de traducteurs dans les archives globales.

« La littérature mondiale comme littérature traduite ». Cela peut constituer le principe fondamental d’une perspective transnationale et globale sur la littérature dans laquelle la figure du traducteur – ce nomade du multilinguisme – jouerait un rôle central pour la transmission de la littérature. Avec d’autres acteurs, comme les auteures et auteurs, les directrices et directeurs littéraires ainsi que les maisons d’édition, ce sont sans aucun doute les traductrices et traducteurs qui mettent en mouvement les littératures du monde. Dans ce rôle, ils ne sont pas seulement chargés de traduire des œuvres, mais aussi de créer un original qui n’existe pas encore et n’est pas encore lisible, c’est-à-dire un nouveau manuscrit qui veut prendre une part active dans le système littéraire. Contrairement au manuscrit « original », le manuscrit traduit naît inéluctablement de la confrontation entre deux langues ou plus, et entre au moins deux versions originelles plus ou moins stabilisées qui coexistent dans l’atelier du traducteur.

Dans ce contexte, les fonds légués par les traducteurs ne servent pas seulement de sources sur le savoir et la littérature, mais aussi d’espaces dans lesquels deviennent visibles l’atelier et le projet de la traduction. Un regard dans cet atelier ne permet pas uniquement de reconstituer une intense histoire de réception, mais également de mettre en débat des questions portant sur la lisibilité, la traductibilité et la stabilité d’une (nouvelle) version supposée originelle qui, à sa source, est déjà fugace et issue d’une genèse multiple. Par rapport à d’autres fonds, ceux des traducteurs témoignent avant tout de conflits translinguistiques entre altérité et identité, et de l’inconstance d’un original dont la consistance textuelle vient plutôt de la diversité que de la stabilité ou de l’unité. Si l’on part de l’idée que la traduction elle-même est une sorte de production et de révision permanentes de savoir, les fonds de traducteurs peuvent être considérés comme une source dans laquelle ce savoir nouveau et toujours remis en cause obtient un statut épistémologique qui lui est propre.

Le DLA de Marbach dispose de nombreux fonds légués par des traducteurs, dont des noms importants de l’histoire littéraire allemande comme Bertolt Brecht, Walter Boehlich, Elisabeth Borchers, Anneliese Botond, Paul Celan, Hans Magnus Enzensberger, Erich Fried, Peter Handke, Stefan George, August Wilhelm Schlegel, Peter Szondi, Hans Stillet, Ludwig Tieck, Hans Wollschläger et Elmar Tophoven. Ceux-ci participent d’une riche histoire du transfert littéraire et culturel, et illustrent une longue confrontation entre les différentes littératures, ainsi qu’une ample réflexion sur la traduction proprement dite. La théorie et la pratique de la traduction chez A. W. Schlegel, par exemple, sont considérées dans ce contexte comme un élément fondamental du romantisme allemand. Dans la modernité, on en a le pendant avec des traductions et des approches théoriques de Rainer Maria Rilke, Paul Celan, Hans Wollschläger et, en dernier lieu, d’Erika et Elmar Tophoven, sur lesquels de nombreux documents sont conservés et accessibles à la recherche au DLA. On dispose en outre, avec les multiples archives de maisons d’édition (Suhrkamp, Insel, Luchterhand, Piper, S. Fischer, Rowohlt, etc.), de documents sur des traductions qui ont joué un grand rôle pour les sciences sociales et humaines en Allemagne ; on peut également prendre comme ligne de mire l’articulation entre éditeur, directeur d’édition et traducteur. Autre point fondamental qui s’applique aux fonds de traducteurs : ils se distinguent par la pluralité des langues. Les pièces détenues par le DLA ne sont pas seulement les documents manuscrits de traducteurs qui se chargent du transfert vers l’allemand d’autres langues indo-européennes, mais aussi de manuscrits de traducteurs travaillant sur le finnois, le hongrois, le chinois, l’arabe, l’hébreu et les langues de l’Inde. L’intention du colloque de Marbach est de porter un regard systématique sur les fonds légués par des traductrices et traducteurs (avant tout littéraires) et de s’interroger sur leur valeur pour la recherche.

On l’étudiera sur la base d’un débat portant sur la théorie de la traduction et à l’aune d’exemples concrets pris dans les archives. À côté des collections éminentes du DLA, on se penchera aussi sur les fonds d’autres institutions (par exemple l’Instituto Cultural Judaico Marc Chagall, Brésil, fonds Herbert Caro ; l’Ibero-Amerikanisches Institut, Berlin, fonds Curt Meyer-Clason). On devra aussi examiner à cette occasion les chances et les limites de la traduction assistée par ordinateur : comment évolue le rôle du traducteur dans le contexte des changements et des possibilités technologiques actuels ? Le traducteur est-il indispensable pour la naissance de la poéticité ? Là aussi, il s’agira d’explorer les potentiels des outils numériques pour la recherche sur la traduction.

Il s’agit d’un double colloque. Après la session organisée au DLA de Marbach aura lieu un colloque qui en sera le pendant à l’IMEC (Institut Mémoires de l’édition contemporaine) à Caen, qui se focalisera sur la traduction des textes en sciences sociales et humaines et des enjeux théoriques de la traduction. Une présentation de fonds de traducteurs aura lieu à cette occasion. Cette deuxième partie du colloque sera organisée dans une étroite collaboration avec des chercheurs de l’unité de recherche ERLIS de l’Université de Caen. Cette seconde partie du colloque « Fonds de traducteurs dans les archives globales » se donne pour tâche de combiner une réflexion théorique sur la traduction en sciences humaines et sociales et des études des exemples à partir des fonds de traducteurs de différentes langues européennes conservés à l’IMEC : l’un tiré de la traduction vers le portugais brésilien, un autre de l’italien vers le français, de l’allemand vers le français, de l’espagnol vers le français et un autre à partir du russe.

Internationale Tagung

  1. bis 27. November 2019, Deutsches Literaturarchiv Marbach (DLA)
  2. November 2019, Fondation Maison des Sciences de l’Homme (FMSH), Paris
  3. bis 30. November 2019, Institut Mémoires de l’édition contemporaine (IMEC), Caen

Gefördert durch die Robert Bosch Stiftung GmbH aus Mitteln der DVA-Stiftung

Symposien

Parution Mulsow „Savoirs précaires“. Traduit par Laurent Cantagrel et Loïc Windels.

Le savoir est précaire, constamment en danger, souvent marginal – voici l’intuition qui précède ce livre. Précarité matérielle, car les livres disparaissent, ils sont brûlés, ils restent manuscrits, ils se perdent en route ; précarité institutionnelle car les esprits libres se trouvent souvent en marge du milieu légitime des savants ; précarité des champs disciplinaires en raison des mouvances qui affectent la qualification d’un savoir, entre orthodoxie et hétérodoxie, entre conviction et distance, entre compilation et opinion ; précarité de la figure même du savant, entre cryptage et passion, sociabilité et marginalité.

Reposant sur une érudition étourdissante et polyglotte, ce livre construit à la manière d’un film de Robert Altman une suite d’« histoires partielles » passionnantes, proches souvent de la micro-histoire. Situé autour de 1700, tournant central pour l’histoire des sciences et des idées, Mulsow se concentre sur le milieu de la Frühaufklärung allemande tout en tissant des liens avec Venise aux xvie et xviie siècles, l’Angleterre, ou la France de Louis XIV. Ainsi, Martin Mulsow se donne les moyens de sa « nouvelle histoire des idées » en mariant plusieurs approches et en considérant aussi bien des milliers de pages de notes manuscrites que des images, des tableaux, des archives. Chemin faisant, Mulsow ne construit pas un nouveau « grand récit » de la pensée mais ouvre plutôt sur des multiples décentrements qui relativisent les grands récits de la modernité. Il en résulte un livre dont la lecture procure le sentiment rare d’avoir à penser désormais autrement.

Martin Mulsow, né en 1959, a étudié la philosophie, la littérature allemande et l’histoire à Tübingen, Berlin et Munich. Depuis 2008, il est professeur des Cultures savantes en Europe à l’époque moderne à l’université d’Erfurt et directeur du Centre de recherches en sciences humaines et sociales à Gotha. De 2005 à 2008 il a enseigné à l’université Rutgers aux États-Unis. En 2016 il a été nommé membre de l’Académie des sciences à Berlin-Brandebourg.
Ses travaux de recherches ont été recompensés de nombreux prix.

Martin Mulsow: Savoirs précaires. Pour une autre histoire des idées à l’époque moderne.

Traduit par Laurent Cantagrel, Loïc Windels.

Éditions de la Maison des sciences de l’homme, Paris
ISBN-10 2735124304
ISBN-13 9782735124305
Bibliothèque allemande

Theorieübersetzungsgeschichte. Internationale Tagung am Peter Szondi-Institut

Im Zuge der Historisierung von Theorie in den letzten Jahren, ist die Rolle von Übersetzungen sowie die vermittelnde Rolle der ÜbersetzerInnen bisher nur am Rande berücksichtigt worden. Doch für die Rezeption, Internationalisierung und Kanonisierung von Theorie spielen Übersetzungen eine entscheidende Rolle. Die Brisanz, die Theorie insbesondere in der intellektuellen und institutionellen Landschaft der Bundesrepublik von Anfang der 1960er bis Ende der 1990er Jahre entfalten konnte, hing zu großen Teilen an der Verfügbarkeit von Übersetzungen. Mit Blick auf den deutschsprachigen Kontext waren es vor allem der sogenannte französische Strukturalismus und Poststrukturalismus, der in den Programmen von Verlagen wie Suhrkamp, Merve, Matthes & Seitz, Turia & Kant, Brinkmann und Bose und Passagen im Zentrum stand.

Die Geschichte der Theorie im Hinblick auf ihre Übersetzungen zu untersuchen, rückt nicht nur eine bestimmte ‚Praxis‘ der Theorie in den Blick, sondern auch die Formen der Aneignung, die Pluralität der Kontexte, Gemeinschaften und Öffentlichkeiten, in denen Übersetzungen ihre Wirkung entfalten konnten. Wie die Arbeiten von Barbara Cassin und Emily Apter gezeigt haben, ereignen sich insbesondere in den Übergangszonen (translation zones) zwischen den (National-)Sprachen sowie im Umgang mit ‚unübersetzbaren‘ Begrifflichkeiten produktive Widerstände. Wo Übertragungen nicht reibungslos vonstattengehen, wo die Fragwürdigkeit eigener und fremder begrifflicher Klarheit zu Tage tritt, wirken diese Widerstände fort. Als richtungsweisende Interpretationen bieten Übersetzungen sowie der darstellerische Umgang mit Unübersetzbarkeiten einen privilegierten Zugang zum historischen Verständnis des Stils, der Verfahren und der Begriffe von Theorie-Texten. Dabei wird nicht nur das Echo des ‚Originals‘ vernehmbar, sondern auch der Klang jener diskursiven, hermeneutischen und publizistischen Strukturen, in die ein Text, ein Begriff, eine Metapher oder ein Wort als übersetztes überführt wurde. In der fortschreibenden, kommentierenden und transformierenden Arbeit der ÜbersetzerInnen wurden und werden Theorie-Texte für ein breiteres Publikum nicht nur zum ersten Mal, sondern zugleich auch noch einmal und auf andere Weise lesbar.
Die Überführung und Appropriation von Theorie in neue und andere Kontexte bedingt Verfremdungs- und Verdopplungseffekte, deren Historisierung erst am Anfang steht. So impliziert die konstitutive Nachträglichkeit von Übersetzungen auch eine spezifische Praxis des Vor- und Nachworts, in denen – man denke an Foucaults Vorwort zur deutschen Ausgabe von Les mots et les choses – keineswegs nur ein neues Publikum angesprochen wird, sondern die bisherige Rezeption eines Werkes selbst kommentiert wird. Davon ausgehend ist nach den politischen Implikationen im übersetzerischen Bezug auf andere Sprachen zu fragen sowie nach den publizistischen Mechanismen und editorischen ‚Standards‘ großer und kleiner Verlage, die zur Rezeption, zur Neuübersetzung sowie zum Vergessen bestimmter Texte geführt haben. Der in dieser Tagung erstmals unternommene Versuch einer Theorieübersetzungsgeschichte begreift Theorie als Geschichte ihrer Übersetzungen und rückt konkrete Verhältnisse, Akteure und Bezüge in den Blick, die über die Reziprozität von Eigenem und Fremden hinausgehen. Theorieübersetzungsgeschichte verschafft somit nicht nur einen neuen Zugang zu zentralen und peripheren Theorie-Texten, vielmehr soll sich in ihr auch die Beschaffenheit jener Diskurse erschließen, in denen Übersetzungen nachhallen oder verstummen, indem sie deren Geschichtlichkeit verdoppelt.

Tagungskritik in der FAZ

Programm

Donnerstag, 22.11. 2018

15.30-16.00: Wolfgang Hottner (FU Berlin): Einführung.

16:00-16.45: Antonia von Schöning (Universität Basel): Ada Lovelaces Notes of the translator – eine Urszene der Medientheorie

17.00-17.45: Andreas Hiepko (Berlin): Dispositiv und nacktes Leben. Diskursive Effekte von Nicht- und Rückübersetzung.

18.15-19-45: Podiumsdiskussion mit Johannes Kleinbeck (LMU München), Susanne Lüdemann (LMU München), Norbert Haas (Berlin und Restorf), Caroline Sauter (Frankfurt a.M.).

Freitag, 23.11. 2018

10.00-10.45: Marin Maurin (FU Berlin): Essay, übersetzen.

10.45-11.30: Klaus Birnstiel (Universität Greifswald): „Wie ein Antlitz aus Sand am Rande des Meeres?“ Bildstörungen der deutschsprachigen Poststrukturalismus-Rezeption (1960-1990).

Kaffeepause

12.00-12.45: Samo Tomsic (HU Berlin): 1966: année structualiste.

Mittagessen

14.30-15.15: Elena Stingl (FU Berlin): ‚Geraune‘ in der deutschsprachigen Bataille-Rezeption.

15.15-16:00: Esther von der Osten (FU Berlin): Vom Insistier. Wie Hélène Cixous (zu) Derrida übersetzt.

Kaffeepause

17.00-17.45: Philippe P. Haensler (Universität Zürich): „Le traducteur et son ombre“. Übersetzung als Ästhetik des Unzulänglichen.

18.15-19.45: Alexander García Düttmann (UdK Berlin): Der naive Übersetzer.

Samstag, 24.11. 2018

10:00-10.45: Oliver Precht (LMU München).: Von der Übersetzbarkeit. Zur Mehrsprachigkeit Derridas.

10:45-11.30: Judith Kasper (Europa Universität, Frankfurt/Oder): Käfer/Que faire. Philologie unter ‚falschen Freunden‘.

Kaffeepause

12.00-12.45: Marcus Coelen (Columbia University, New York): Unübersetzungen des Psychoanalytischen (Freud, Lacan).

Abschlussdiskussion, Abreise
Ort: Seminarzentrum, L 116
Gefördert von der Stiftung Preussische Seehandlung

Konzeption und Kontakt:
Wolfgang Hottner
Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Freie Universität Berlin
Habelschwerdter Allee 45

Aktuelles